Polen

Im Kloster Jasna Góra wird eine Ikone der Gottesmutter mit dem Kind verehrt, die als Schwarze Madonna bekannt ist. Das Kloster wurde 1382 von Paulinermönchen gegründet, die aus Ungarn gerufen worden waren. Nach der Überlieferung malte der heilige Evangelist Lukas das Bild auf eine Tischplatte, an der die Heilige Familie in Nazaret gegessen hatte.
1430 plünderten hussitische Angreifer das Kloster. Nach der Überlieferung schlugen sie mit einem Säbel ins Gesicht der Ikone. Die Narben blieben trotz aller Restaurierungsversuche sichtbar und gehören bis heute zu ihrem unverwechselbaren Bild. Entscheidend für die Bedeutung des Heiligtums in Polen war das Jahr 1655: Eine kleine Besatzung von Jasna Góra hielt während der sogenannten Schwedischen Sintflut der Belagerung durch das schwedische Heer stand. Dieses Ereignis prägte das polnische Verständnis der Gottesmutter als Beschützerin des Volkes tief. 1656 stellte König Jan Kazimierz Polen feierlich unter ihren Schutz und erklärte sie zur Königin Polens.
Die Ikone wurde 1717 mit Zustimmung von Papst Clemens XI. gekrönt. Nachdem 1909 kostbarer Schmuck gestohlen worden war, stiftete Papst Pius X. eine neue Krone für die erneute Krönung im Jahr 1910. Daran nahmen etwa 60.000 Pilger teil.
Für das polnische Volk bleibt Jasna Góra ein Zeichen seiner Identität und seiner Hoffnung in schweren Zeiten. Pilger erzählen, dass hier ihr Glaube erneuert wird und sie sich einer Gemeinschaft zugehörig wissen, die über die Grenzen Polens hinausreicht. Dazu gehören auch die bekannten mehrtägigen Fusswallfahrten, an denen jedes Jahr Hunderttausende junge Menschen teilnehmen.
Tschenstochau ist bis heute der wichtigste Wallfahrtsort Polens. Er ist besonders mit dem heiligen Johannes Paul II. verbunden, der immer wieder hierher zurückkehrte, und mit dem Widerstand gegen Unfreiheit. Auch Lech Wałęsas Friedensnobelpreismedaille wird in diesem Heiligtum aufbewahrt.