Treu in der Ungewissheit.
Standhaft im Leid.
In allem offen für Gott.
Maria ist keine Gottheit und steht Gott nicht als Ebenbürtige gegenüber. Sie ist ein Geschöpf, eine Frau aus Fleisch und Blut, die Gott zur Mutter seines Sohnes erwählt hat.
Darum nimmt sie unter allen, die die Kirche verehrt, einen einzigartigen Platz ein. Sie ist mehr als eine Heilige unter vielen, denn kein anderer Heiliger hat Gott unter dem Herzen getragen. Doch sie ist auch kein Teil der Gottheit. Anbetung gebührt allein Gott.
Maria ist eine Brücke, nicht das Ziel. Ein Weg zu Gott, kein Ersatz für Gott.
01
Unbefleckte Empfängnis
Sie wurde ohne den Makel der Erbsünde geboren und von Anfang an auf ihre Sendung vorbereitet.
02
Mutter Gottes
Sie hat Jesus Christus geboren, wahren Gott und wahren Menschen. Darum ist sie die Gottesgebärerin.
03
Immerwährende Jungfrau
Vor, während und nach der Geburt blieb sie Jungfrau, ganz Gott hingegeben.
04
Aufnahme in den Himmel
Am Ende ihres irdischen Lebens wurde sie mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.
Menschen wenden sich mit allem, was sie bewegt, an Maria. Denn in ihrem Leben sehen wir Treue in der Ungewissheit, Standhaftigkeit im Leid und Offenheit für Gott in allem.
Darum kannst du mit allem zu ihr kommen, ohne Ausnahme. Kein Anliegen ist zu klein und keine Sorge zu gross.
Maria nimmt an, was wir ihr anvertrauen. Sie behält es nicht für sich, sondern trägt es vor Gott: treu, still und mütterlich. Wer zu ihr kommt, bleibt nicht allein.
Maria lebte in Nazaret, in einfachen Verhältnissen, getragen vom Glauben Israels und der Hoffnung auf den Messias. Nach aussen war ihr Leben unscheinbar. Innerlich aber war sie ganz offen für Gott.
Als der Engel Gabriel zu ihr kam und ihr verkündete, dass sie den Sohn Gottes gebären werde (vgl. Lk 1,26), veränderte sich ihr Leben. Sie erschrak und fragte nach, weil sie nicht alles verstand, was ihr gesagt wurde. Dennoch verschloss sie sich nicht. Voll Vertrauen antwortete sie: «Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.» (Lk 1,38; Einheitsübersetzung 2016)
Mit diesem Ja begann ein Weg, der weder leicht noch überschaubar sein würde. Doch Gott führte sie. Sie trug Jesus unter ihrem Herzen und ging zu Elisabet. Dort fand ihr Glaube Ausdruck in Freude und Dankbarkeit.
In Betlehem brachte sie ihn in Armut zur Welt, ohne Sicherheit und ohne einen Ort, den sie ihr Eigen nennen konnte. Sie nahm ihn an, trug und behütete ihn. Was sie nicht verstand, wies sie nicht zurück, sondern bewahrte es in ihrem Herzen (vgl. Lk 2,19).
Schon bald musste sie nach Ägypten fliehen. Sie war eine Mutter, die ihr Kind inmitten der Ungewissheit beschützte, ohne Sicherheit und ohne Antworten auf alle Fragen. Ihr Weg war von Vertrauen geprägt, nicht davon, alles selbst in der Hand zu haben.
Die Jahre in Nazaret vergingen still. Maria lebte einen unscheinbaren Alltag in Treue. Als sie Jesus in Jerusalem verlor, suchte sie nach ihm. Sie verstand seine Worte nicht, blieb aber bei Gott und hielt ihr Herz offen.
Bei der Hochzeit in Kana trat sie zurückhaltend, aber entschlossen auf. Sie sah die Not vor den anderen und verwies auf ihren Sohn: «Was er euch sagt, das tut!» (Joh 2,5) Ihren Höhepunkt erreichte ihr Weg unter dem Kreuz.
Maria stand dort, wo viele nicht stehen konnten. Sie floh nicht, verschloss sich nicht und gab nicht auf. Sie blieb. Sie sah ihren Sohn sterben (vgl. Joh 19,25). In diesem Schmerz empfing sie eine neue Sendung: Sie wurde zur Mutter aller Menschen.
Nach der Auferstehung blieb sie mit den Jüngern im Gebet verbunden (vgl. Apg 1,14). Sie stand nicht im Mittelpunkt, aber sie war da. Äusserlich war ihr Leben nicht spektakulär. Doch es war ganz Gott hingegeben.
1. Januar
Maria, Mutter Gottes
11. Februar
Unsere Liebe Frau von Lourdes
25. März
Verkündigung des Herrn
13. Mai
Unsere Liebe Frau von Fatima
31. Mai
Mariä Heimsuchung
16. Juli
Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel
5. August
Unsere Liebe Frau vom Schnee
15. August
Mariä Aufnahme in den Himmel
22. August
Maria Königin
8. September
Mariä Geburt
15. September
Gedächtnis der Schmerzen Mariens
7. Oktober
Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz
21. November
Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem – Mariä Tempelgang
8. Dezember
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
12. Dezember
Unsere Liebe Frau von Guadalupe
Die Kirche hat jedes der aufgeführten Ereignisse offiziell untersucht und anerkannt.
Lourdes, seit 1858
Seit die Muttergottes 1858 der heiligen Bernadette Soubirous achtzehnmal in der Grotte von Massabielle erschien, ist die damals entsprungene Quelle zum Ziel von Millionen Pilgern geworden. Unter den mehr als 30’000 gemeldeten Heilungen prüfen das unabhängige medizinische Büro von Lourdes, das 1883 gegründete Bureau des Constatations Médicales, und internationale Ärztekommissionen verschiedener Konfessionen jeden Fall nach strengen Massstäben: Es muss sich um eine organische, nach dem damaligen Stand der Medizin unheilbare Krankheit handeln. Die Heilung muss sofort, vollständig und dauerhaft eintreten, ohne dass eine Behandlung sie erklären könnte. Erst nach diesem dreistufigen Prüfverfahren kann der zuständige Ortsbischof den Fall zum Wunder erklären. Die Kirche hat dies bisher bei 72 der Tausenden untersuchten Fälle getan.
Unter den anerkannten Heilungen: Schwester Bernadette Moriau, nach jahrelanger Lähmung geheilt (2008)
Fatima, 1917
Von Mai bis Oktober 1917 erschien die Muttergottes den drei Hirtenkindern Lucia, Francisco und Jacinta im portugiesischen Dorf Fatima. Sie kündigte an, am 13. Oktober, dem Tag der letzten Erscheinung, ein Zeichen zu geben, damit alle glauben könnten. An diesem Tag warteten auf den Feldern der Cova da Iria etwa 70’000 Menschen im Regen: Gläubige, Neugierige und Journalisten, die gekommen waren, um spöttisch über den «Aberglauben der Bauern» zu berichten. Plötzlich hörte der Regen auf. Den Aussagen der Anwesenden zufolge begann die Sonne sich zu drehen, ihre Farbe zu wechseln und wie eine Scheibe zur Erde herabzusinken. Die völlig durchnässten Kleider und der Boden waren innerhalb weniger Augenblicke trocken. Avelino de Almeida, liberaler Journalist der grössten Lissabonner Tageszeitung O Século, der gekommen war, um sich über das Geschehen lustig zu machen, räumte in seinem Bericht ein, das Phänomen tatsächlich gesehen zu haben.
Die Kirche erkannte die Erscheinungen von Fatima 1930 offiziell an.
Guadalupe, 1531
Im Dezember 1531 erschien die Muttergottes dem Indigenen Juan Diego auf dem Hügel Tepeyac bei Mexiko-Stadt. Sie bat darum, dort eine Kirche zu errichten. Als Zeichen für Bischof Zumárraga, der dem armen Indigenen nicht glaubte, trug sie Juan Diego auf, mitten im Winter Rosen zu pflücken und sie in seinen Umhang, die Tilma aus Kaktusfasern, einzuschlagen. Als er den Umhang vor dem Bischof öffnete und die Rosen herausfielen, erschien auf dem Stoff das Bild der Jungfrau Maria. Ein solches Gewebe zerfällt normalerweise nach etwa zwanzig Jahren. Dieser Umhang aber ist seit fast fünf Jahrhunderten unversehrt geblieben. Er überstand 1791 verschüttete Säure und 1921 die Explosion einer unmittelbar daneben platzierten Bombe. Keiner der bisherigen chemischen oder maltechnischen Untersuchungsversuche konnte den Ursprung des Bildes erklären.
In den Augen des Bildes ist eine Spiegelung erkennbar, die den optischen Gesetzen eines lebenden Auges entspricht (Cornell University, 1977).
Orte, an denen Gläubige Marias Nähe auf besondere Weise erfahren haben. Menschen kommen mit dem, was sie im Herzen tragen, und viele berichten, dass sich ihr Leben verändert hat.

Međugorje
Bosnien und Herzegowina
Die Erscheinungen begannen 1981 und dauern bis heute an. Einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte der Welt.

Lourdes
Frankreich
Die Muttergottes erschien Bernadette Soubirous 1858 achtzehnmal. Die damals entsprungene Quelle wurde zu einem Ort der Heilung.

Fátima
Portugal
Die Muttergottes erschien 1917 drei Kindern. Sie kündigte das Sonnenwunder an, von dem 70.000 Zeugen berichteten.


Gebet
Der Rosenkranz ist ein Gebet zu Ehren der Jungfrau Maria. Geheimnis für Geheimnis betrachten wir darin das Leben Jesu Christi und Marias Weg an seiner Seite. Zu jedem Geheimnis werden ein Vaterunser, zehn Gegrüsset seist du, Maria und ein Ehre sei dem Vater gebetet.
Seine Wurzeln reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, zur Marienverehrung der Benediktiner. Die heutige Form prägten die Dominikaner im 13. Jahrhundert. Der Überlieferung zufolge erschien die Muttergottes selbst dem heiligen Dominikus und übergab ihm dieses Gebet als Waffe gegen das Böse seiner Zeit. Jahrhunderte später, 1917 in Fatima, betonte Maria erneut seine Bedeutung: «Betet täglich den Rosenkranz.»
Papst Franziskus nennt ihn ein «Gebet des Herzens», weil er den Menschen durch sein ganzes Leben begleitet. Die Wiederholung lässt die Gedanken zur Ruhe kommen. Die Betrachtung der Geheimnisse lenkt den Blick nach und nach von uns selbst auf Christus. Maria betet mit uns und führt uns immer zu ihrem Sohn, niemals zu sich selbst.
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Maria nimmt nicht Gottes Platz ein.
Sie begleitet uns mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Marianischer Gebetsschatz
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Maria erzählen, was dich bewegt: frei und mit deinen eigenen Worten, ohne einen vorgegebenen Gebetstext.
Maria nimmt an, was wir ihr anvertrauen.
Sie behält es nicht für sich.
Sie trägt es vor Gott: treu, still und mütterlich.
«Was er euch sagt, das tut!»
Joh 2,5