Frankreich

Zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858 erlebte die vierzehnjährige Bernadette Soubirous, Tochter eines armen Müllers, achtzehn Erscheinungen in der Grotte von Massabielle am Rand von Lourdes. Anfangs beschrieb sie nur „etwas Weisses in Gestalt einer Dame“. Die Bewohner verspotteten sie und begegneten ihr mit Misstrauen, während kirchliche und staatliche Behörden die Versammlungen zu unterbinden versuchten.
Bei der Erscheinung am 25. Februar grub Bernadette auf die Aufforderung der Muttergottes hin mit den Händen in der Erde, wo zuvor kein Wasser gewesen war. Eine Quelle begann zu fliessen, die bis heute Wasser führt; ihre Wassermenge schwankt im Lauf des Jahres. Auf Bernadettes Frage, wer sie sei, antwortete die Muttergottes am 25. März im örtlichen Dialekt: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ Diese Worte bewegten Bernadette tief. Als Mädchen ohne theologische Ausbildung konnte sie diesen Ausdruck nicht kennen; das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis war erst vier Jahre zuvor, 1854, verkündet worden.
Mit dem Wasser von Lourdes verbinden sich Tausende Berichte über Heilungen. Seit 1858 hat die Kirche nach strenger medizinischer und theologischer Prüfung 72 Heilungen als Wunder anerkannt, für die es nach dem Stand der Wissenschaft keine Erklärung gibt. Die jüngste Anerkennung erfolgte 2025. Bernadette trat 1866 bei den Barmherzigen Schwestern in Nevers ein und starb dort 1879. Ihr Leib blieb vom Verfall weitgehend unberührt; dies war einer der Gründe für ihre Heiligsprechung 1933.
Lourdes ist vor allem für seine 72 kirchlich anerkannten Wunderheilungen bekannt. Doch auch der kirchliche medizinische Dienst weist darauf hin, dass die Zeugnisse inneren Friedens zahlreicher sind und tiefer reichen: Kranke, die körperlich keine Heilung erfahren, erzählen oft, dass sie in Lourdes Kraft gefunden haben, ihre Krankheit anzunehmen, sich mit Gott oder ihrer Familie zu versöhnen oder nach langer Entfremdung zum Glauben zurückzukehren.
Heute gilt Lourdes nach dem Vatikan als zweitmeistbesuchter Wallfahrtsort der Welt. Bekannt ist es für die abendlichen Lichterprozessionen und die besondere Fürsorge für Kranke, die in organisierten Pilgergruppen aus ganz Europa kommen.