Kirchenlehrer und Bischof von Hippo · 354–430
Festtag: 28. August
Lange gesucht. Schliesslich gefunden.
Für unruhige Herzen.
Für alle, die verstehen und es doch noch nicht schaffen.

Zweiunddreissig Jahre lang suchte Augustinus an den falschen Orten. Er war kein Heiliger von Kindesbeinen an, sondern ein Mensch, der alles ausprobiert hatte und innerlich leer geblieben war. Gott begegnete ihm schliesslich dort, wo er am Ende seiner Kräfte war.
Er verschwieg nichts davon. Seine Vergangenheit, seine Zweifel, die Gewohnheiten, von denen er nicht loskam, und ein Gebet, das wie eine Ausrede klang: All das schrieb er auf. Darin liegt sein Geschenk an uns. Er hatte sich durch dieses Labyrinth hindurchgefunden und tat nicht so, als sei der Weg leichter gewesen, als er war.
An ihn wenden sich Menschen, die schon lange suchen und keinen Ausweg sehen. Menschen, die Schuld mit sich tragen und nicht glauben können, dass ihnen vergeben werden kann. Menschen, die zweifeln und doch glauben möchten. Und Menschen, die mit dem Verstand alles begriffen haben, aber den letzten Schritt nicht schaffen.
Wähle das Anliegen, das dich heute bewegt.
Augustinus wurde 354 in Thagaste geboren, einer kleinen Stadt in Nordafrika. In seiner Familie lebten Glaube und Unglaube unter einem Dach. Seine Mutter Monika war eine tiefgläubige Christin; sein Vater Patricius war Heide und liess sich erst kurz vor seinem Tod taufen. Die Spannung zwischen diesen beiden Welten prägte den Jungen tief.
Er ging nach Karthago, um Rhetorik zu studieren, und erwies sich als aussergewöhnlich begabt. Dort fand er auch Leidenschaft, Freiheit und eine Frau, mit der er unverheiratet zusammenlebte. Sie bekamen einen Sohn, Adeodatus, dessen lateinischer Name «von Gott geschenkt» bedeutet. Es war keine flüchtige Beziehung: Sie dauerte fast fünfzehn Jahre. Doch die Fragen, die ihn seit seiner Kindheit beschäftigten, liessen ihn nicht los. Warum genügte ihm nichts? Warum hinterliess jede Antwort eine neue Leere?
Auf der Suche nach Antworten schloss er sich den Manichäern an, einer philosophisch geprägten religiösen Gemeinschaft, die sich an eine geistige Elite wandte und eine umfassende Erklärung für das Böse bot. Neun Jahre blieb er bei ihnen, dann wandte er sich enttäuscht ab. Er zog nach Rom und später nach Mailand. Dort erhielt er eine der angesehensten Stellen, die ein Rhetoriker erreichen konnte: Er wurde Redner am Kaiserhof. Nach aussen schien er am Ziel zu sein. Innerlich blieb er leer.
In Mailand begann er, die Predigten von Bischof Ambrosius zu hören. Zunächst interessierte ihn vor allem dessen Stil, denn Ambrosius war ein hervorragender Redner. Nach und nach aber brachten die Predigten etwas in ihm in Bewegung. Er las die Neuplatoniker und die Briefe des Paulus. Mit dem Verstand begriff er, worum es ging. Doch den letzten Schritt konnte er nicht tun: Er schaffte es nicht, die Gewohnheiten aufzugeben, die über Jahre gewachsen waren. Er betete so ehrlich, wie er es vermochte: Herr, gib mir Keuschheit, aber noch nicht jetzt.
Dann kam der Sommer 386. Augustinus sass weinend im Garten seines Mailänder Hauses und wusste nicht mehr weiter. Hinter ihm lagen zweiunddreissig Jahre des Suchens und Zögerns, zwischen halbem Glauben und halbem Scheitern. Einen Ausweg sah er nicht. Da hörte er jenseits einer Mauer eine Kinderstimme, die immer wieder sagte: Nimm und lies, nimm und lies. Er griff nach der Schriftrolle mit dem Römerbrief des Paulus, die neben ihm lag, schlug sie an einer beliebigen Stelle auf und las einige Zeilen. Leise und unwiderruflich veränderte sich etwas. Später schrieb er, in diesem Augenblick sei jede Finsternis des Zweifels verschwunden. Es war keine Ekstase, sondern eine endgültige, ruhige und lange aufgeschobene Hingabe an den, der die ganze Zeit auf ihn gewartet hatte.
An Ostern 387 taufte Ambrosius ihn gemeinsam mit seinem Sohn Adeodatus und seinem Freund Alypius. Wochen später sass er mit seiner Mutter Monika am Fenster eines Hauses in der Hafenstadt Ostia. Sie sprachen über die Ewigkeit. Beide berührten, so beschreibt er es, für einen kurzen Augenblick etwas, das nicht von dieser Welt war: eine stille Höhe der Erfahrung, für die Worte nicht ausreichen. Wenige Tage später starb Monika. Sie sagte, sie habe nur noch darauf gewartet.
Augustinus kehrte nach Afrika zurück. Er verkaufte seinen Besitz, gründete eine kleine klösterliche Gemeinschaft und wollte zurückgezogen leben. Doch die Gemeinde von Hippo drängte ihn 391 während eines Gottesdienstes, Priester zu werden. Einige Jahre später wurde er Bischof. Vierunddreissig Jahre lang predigte er jede Woche, schlichtete Rechtsstreitigkeiten, schrieb Tausende Briefe und verteidigte die Kirche gegen Irrlehren. Er blieb in seiner Stadt, auch als die Vandalen sie belagerten und er selbst im Sterben lag.
Aus diesem Leben gingen mehr als fünf Millionen geschriebene Wörter hervor, mehr als von jedem anderen Autor der Antike. Drei Werke veränderten die Geschichte: die Bekenntnisse, die erste eigentliche Autobiografie der abendländischen Literatur und ein vertrautes Gespräch mit Gott über die eigenen Sünden; Der Gottesstaat, seine Antwort auf den Fall Roms und die Frage nach einem Sinn, der nicht von Weltreichen abhängt; und Über die Dreifaltigkeit, ein umfassendes theologisches Werk. Seine Lehre von Gnade, Sünde und Vorherbestimmung prägte die gesamte westliche christliche Tradition. Bis heute wird darüber diskutiert.
Er starb am 28. August 430, während die Vandalen die Mauern von Hippo belagerten. Zuletzt bat er darum, allein sein zu dürfen. Er liess die Busspsalmen an die Wände seines Zimmers schreiben, damit er sie lesen und dabei weinen konnte. Er war 75 Jahre alt. Im 8. Jahrhundert wurden seine Reliquien in die Basilika San Pietro in Ciel d’Oro in Pavia überführt. Papst Bonifatius VIII. erklärte ihn 1298 zum Kirchenlehrer.

Karthago, um 388
Im Gottesstaat (XXII, 8) berichtet Augustinus als Augenzeuge vom Juristen Innocentius aus Karthago. Dieser litt an schweren Fisteln. Nach einer ersten Operation stand ihm ein weiterer Eingriff bevor. Augustinus war dabei, als die kirchliche Gemeinschaft mit ihm betete. Innocentius sank auf die Knie und weinte. Am nächsten Morgen untersuchten ihn die Ärzte und fanden die Wunde vollständig verheilt vor. Augustinus beschreibt, wie alle Anwesenden unter Freudentränen Gott lobten und ihm dankten.

Hippo, um 425
Die Geschwister Paulus und Palladia aus Cäsarea kamen mit schweren neurologischen Störungen nach Hippo. In der Kirche beteten sie bei den Reliquien des heiligen Stephanus. Am Ostersonntag richtete sich Paulus vor der versammelten Gemeinde plötzlich geheilt auf. Palladia wurde einige Tage später gesund. Augustinus hielt auch dieses Geschehen persönlich fest und liess das Zeugnis vor der Gemeinde verlesen. Er berichtet darüber im Gottesstaat (XXII, 8). Sinngemäss begründet er das Aufzeichnen damit, dass wir sonst vergessen.

Italien, 1921
Giovanni Papini gehörte zu den lautstärksten italienischen Atheisten des frühen 20. Jahrhunderts. Er war Publizist, Schriftsteller und entschiedener Gegner der Kirche. Über Jahre hinweg las er Augustinus, besonders die Bekenntnisse und den Gottesstaat. Dabei vollzog sich eine langsame, aber grundlegende Bekehrung. Daraus entstand die Storia di Cristo (1921), ein Buch über Jesus, das sich schon im Erscheinungsjahr in ganz Europa millionenfach verkaufte. Papini sagte, Augustinus habe ihn nicht durch Argumente überzeugt, sondern durch die ehrliche Beschreibung dessen, was in einem suchenden Menschen vorgeht.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er bezeugt, dass Gott auch nach dem längsten Aufschieben noch auf uns wartet.
Sein Leben führt zu Jesus Christus, der gesagt hat: «Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!» (Mt 11,28; Einheitsübersetzung 2016).
Mit Christus führt es uns im Heiligen Geist zum Vater.
Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.
Ein Grundgedanke des Augustinus und die Erfahrung aller, die je nach Gott gesucht haben