Eremit, Wundertäter und maronitischer Mönch · 1828–1898
Festtag: 24. Juli
Der Einsiedler von Annaya.
In der Stille zu Gott.
Bei Krankheit, Leiden und innerer Unruhe.

Der heilige Charbel hinterliess weder Bücher noch Predigten. Er zog sich in die Berge des Libanon zurück und blieb dort dreiundzwanzig Jahre: allein, in der Stille, mit einer Mahlzeit am Tag. Er floh nicht vor der Welt. Er stellte Gott über alles andere. Darin lag seine Botschaft.
An seinem Grab in Annaya wurden mehr als 28’000 Zeugnisse von Heilungen und erhörten Gebeten gesammelt. Charbel starb 1898, doch die Zeugnisse rissen nicht ab.
An ihn wenden sich Kranke, denen man gesagt hat, es gebe kein Heilmittel mehr. Erschöpfte Menschen, die keine Worte zum Beten finden. Und Menschen, die unter einer inneren Unruhe leiden, die nicht nachlässt. Zu Charbel darf jeder kommen, auch ohne Worte.
Du darfst mit deinen Sorgen vor Gott kommen.
Der heilige Charbel wurde am 8. Mai 1828 im Dorf Bekaa Kafra in den Bergen des Libanon auf fast 1700 Metern Höhe geboren. Sein Taufname war Youssef Antoun Makhlouf. Er wuchs in einer gläubigen maronitisch-christlichen Familie auf. Zwei seiner Onkel lebten als Einsiedler und wurden zu Vorbildern, die seinen Weg prägten. Sein Vater starb, als Youssef erst drei Jahre alt war. Er wuchs bei seiner verwitweten Mutter auf und lernte früh die Verantwortung und die Stille kennen, die ein solcher Verlust mit sich bringt.
Schon als Junge zog Youssef sich zum Beten zurück. Er verzichtete auf Spiele und war für seine Stille und innere Sammlung bekannt. Mit dreiundzwanzig Jahren verliess er sein Dorf. Er ging nachts und ohne Abschied, um seiner Mutter keinen Kummer zu bereiten, und machte sich auf den Weg in ein maronitisches Kloster.
1851 begann er das Noviziat im Libanesischen Maronitenorden im Kloster Unserer Lieben Frau von Mayfouq und setzte es später in Annaya fort. Er nahm den Ordensnamen Charbel an, nach einem Märtyrer aus Antiochien aus dem 2. Jahrhundert. 1853 legte er die Gelübde ab, am 23. Juli 1859 wurde er zum Priester geweiht. Sechzehn Jahre lebte er als Mönch in der Gemeinschaft, mit Gebet, Liturgie und körperlicher Arbeit.
1875 erhielt er vom Abt die besondere Erlaubnis, sich ganz ins Einsiedlerleben zurückzuziehen. Er bezog die Einsiedelei der heiligen Petrus und Paulus auf dem Hügel oberhalb des Klosters, 1350 Meter über dem Meer. Dort blieb er 23 Jahre, bis zu seinem Tod: allein, in strenger Askese, mit einer Mahlzeit am Tag und einem Brett statt eines Bettes.
Sein ganzes Leben war Gebet. Regelmässig dauerten seine Messen drei bis sechs Stunden, wie Mitbrüder bezeugten, die ihn täglich in der Einsiedelei erlebten. Nach der Wandlung versank er so tief in die Betrachtung, dass die anderen still warteten und ihn nicht zu unterbrechen wagten. Einmal blieb er sechs Stunden lang regungslos in der Kapelle, ohne einen Gast zu bemerken. Seine Mitbrüder beschrieben ihn als einen Menschen, der immer ganz da war: still und vollkommen auf Gott ausgerichtet.
Am 16. Dezember 1898 brach er während der Messe in der Einsiedelei am Altar zusammen. Acht Tage lag er regungslos, bei vollem Bewusstsein. Am 24. Dezember 1898, dem Heiligen Abend, starb er mit siebzig Jahren. Papst Paul VI. sprach ihn am 5. Dezember 1965 selig und am 9. Oktober 1977 heilig. Zu seinem Grab in Annaya kommen bis heute Millionen Pilger aus aller Welt.
Aus schriftlichen Zeugnissen, ärztlichen Befunden und dem Heiligsprechungsverfahren.

Grab in Annaya, Libanon
Etwa vierzig Tage nach der Beisetzung bemerkten Dorfbewohner ein ungewöhnliches Licht über Charbels Grab. Die Mönche öffneten es und fanden seinen Leib vollständig unversehrt, trotz des feuchten Bodens und des kalten Winters, ohne jede Einbalsamierung. Sie brachten den Leichnam in die Kapelle. Dort blieb er weitere 67 Jahre, bis 1965, unverwest, warm und beweglich. Ärztliche Untersuchungen von 1950, 1952, 1955 und 1965 bestätigten einen Zustand des Gewebes, der sich keiner bekannten Kategorie zuordnen liess.

Annaya, Libanon, Januar 1899
Aus Charbels Leib trat eine rötlich-gelbe, duftende Flüssigkeit aus, die wie mit Öl vermischtes Blut aussah. Sie floss unaufhörlich. Wochen vergingen, dann Monate und Jahre, und sie trat weiter aus. Eine Laboruntersuchung beschrieb sie als eine dem Blutserum ähnliche Substanz, für die es keine medizinische Erklärung gebe. Siebenundsechzig Jahre lang drang sie durch die Särge und das steinerne Grab. Sie wurde aufbewahrt und weitergegeben; Menschen schrieben ihre Heilung dem Kontakt mit dieser Flüssigkeit zu. Als der Leib schliesslich zerfiel, genau im Jahr der Seligsprechung 1965, versiegte auch die Flüssigkeit.

Libanon, 1970er-Jahre
Ein Junge, der seit seiner Geburt eine Behinderung hatte, bettelte auf den Stufen einer Kirche. Ein unbekannter Mann trat zu ihm und sagte, er solle sich sein Almosen aus dem Sand einer Baustelle holen. Der Junge stand auf und ging, zum ersten Mal. Als die Bauaufsicht zur Baustelle kam, stellte sie fest, dass sich der ganze Sandhaufen in Weihrauch verwandelt hatte. Auf einer Fotografie erkannte der Junge seinen Wohltäter wieder: Es war ein Bild des heiligen Charbel. Der Fall ist im Archiv des Klosters von Annaya verzeichnet.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er begleitet Menschen, die Frieden suchen.
Sein Leben weist auf Jesus Christus hin, der gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch Ruhe verschaffen.“
Und mit Christus führt der Weg im Heiligen Geist zum Vater.
„Nach meinem Tod werde ich euch mehr helfen können als zu meinen Lebzeiten.“
Überlieferung