Bischof und Kirchenlehrer · 1567–1622
Festtag: 24. Januar
Apostel der Sanftmut.
Heiligkeit ist nicht nur für Ordensleute.
Für unruhige und zornige Herzen.

Franz von Sales hatte als junger Mann ein aufbrausendes Temperament. In schwierigen Augenblicken konnte er schnell scharf reagieren. Zwanzig Jahre lang arbeitete er bewusst daran, sanftmütiger zu werden. Er unterdrückte sein Temperament nicht, sondern verwandelte es.
Als Johanna Franziska von Chantal einmal seine Geduld auf die Probe stellte, antwortete er ihr: „Möchtest du, dass ich in einer Viertelstunde das bisschen Sanftmut verliere, das ich mir in zwanzig Jahren angeeignet habe?“ Seine Sanftmut war ihm nicht in die Wiege gelegt. Er hatte sie sich zur Lebensaufgabe gemacht.
An ihn wenden sich Menschen, die ihren Zorn nur schwer beherrschen können. Die sich nach einem Frieden sehnen, der sich nicht von selbst einstellt. Und die sanftmütig sein möchten, aus freier Entscheidung und nicht aus Schwäche.
Du musst deine Last nicht allein tragen.
Franz von Sales wurde am 21. August 1567 auf Schloss Sales in Savoyen in eine angesehene Adelsfamilie geboren. Sein Vater hatte für ihn eine juristische Laufbahn im Staatsdienst vorgesehen. Franz folgte diesem Weg, studierte in Paris und Padua und erwarb den Doktortitel in Rechtswissenschaften. Nach aussen entsprach er allen Erwartungen. In seinem Inneren sah es anders aus.
In Paris verspotteten ihn einmal Mitstudenten wegen seiner Frömmigkeit. Franz, der im Fechten ausgebildet war, zog den Degen und entwaffnete sie alle. Dann ging er wortlos davon. Er wusste aber, welches Temperament in ihm steckte. Bald darauf geriet er in eine Krise, an der er beinahe zerbrach: Er war überzeugt, für die Hölle vorherbestimmt zu sein. Gott liebe ihn nicht, und er könne an dieser Entscheidung nichts ändern. Wochenlang litt er unter dieser Niedergeschlagenheit. Einen Ausweg fand er in der Kapelle Notre-Dame de Bonne Délivrance. Er kniete nieder, betete und entschied sich: Wenn ich Gott nicht in Ewigkeit lieben kann, will ich ihn wenigstens jetzt lieben. Diese Entscheidung wurde zum Wendepunkt.
Zu Hause erwartete ihn sein Vater mit einer Stelle im savoyischen Senat und einer vereinbarten Heirat. Franz lehnte beides ab und liess sich 1593 zum Priester weihen. Ihm wurde eine Mission übertragen, die niemand sonst übernehmen wollte: Er sollte die protestantische Region Chablais am Genfersee zum katholischen Glauben zurückführen. Dort war der Calvinismus gewaltsam eingeführt worden. Franz machte sich zu Fuss auf den Weg, mit Stab und Tasche, fast allein.
Vier Jahre blieb er im Chablais. Weil niemand seine Predigten hören wollte, liess er Flugblätter drucken und schob sie unter den Türen hindurch. Er schlief im Schnee; einmal verbrachte er halb erfroren eine Nacht auf einem Baum, während unten Wölfe lauerten. Zwei Anschläge auf sein Leben überstand er. Am Ende seiner Mission war ein grosser Teil der Region zum katholischen Glauben zurückgekehrt, ohne Gewalt, allein durch das Wort.
1599 wurde er zum Koadjutor ernannt; 1602 übernahm er das Amt des Bischofs von Genf. Die protestantische Stadt liess ihren Bischof jedoch nicht ein. So leitete Franz die Diözese von Annecy aus, in einem Exil, das bis zu seinem Tod andauerte. Statt bitter zu werden, widmete er sich dort dem, wofür er bis heute bekannt ist: der geistlichen Begleitung von Menschen in ihrem Alltag. Durch Briefe, Gespräche und Beichten war er Tag für Tag für Tausende da.
Aus diesen Briefen und Gesprächen entstand ein Werk, das die Spiritualität veränderte: die Einführung in das fromme Leben (Introduction à la vie dévote, 1609). Sie war nicht für Ordensleute oder Priester geschrieben, sondern für Madame de Charmoisy, eine Adelige, die mitten in der Welt lebte. In ihr sah Franz alle Menschen, die in Ehe, Beruf und im Trubel der Stadt ihren Platz hatten. Ihnen sagte er: Auch ihr seid zur Heiligkeit berufen. Das Buch wurde zu einem der meistübersetzten geistlichen Werke der Kirchengeschichte.
Gemeinsam mit Johanna Franziska von Chantal gründete er 1610 den Orden von der Heimsuchung Mariens, die Salesianerinnen. Johanna war Witwe und Mutter von vier Kindern. Franz hatte sie 1604 kennengelernt und sie jahrelang durch Briefe und Gespräche geistlich begleitet. Bei der Gründung ihrer Gemeinschaft ging er einen ungewöhnlichen Weg: Der Orden verlangte weder strenges Fasten noch körperliche Bussübungen. Er sollte Frauen offenstehen, die krank oder körperlich schwach waren oder deren familiäre Bindungen einem Eintritt in einen strengen Orden entgegenstanden. Frauen also, die anderswo keinen Platz gefunden hatten.
Am 28. Dezember 1622 starb Franz auf der Rückkehr von einer Reise in Lyon. Er war 55 Jahre alt. 1665 wurde er heiliggesprochen, 1877 zum Kirchenlehrer erhoben. Sein Gedenktag ist der 24. Januar.
Überliefert aus seinem Leben und dem Heiligsprechungsverfahren von 1665, in Zeugnissen von Gläubigen und kirchlichen Verantwortlichen.

Chablais, Savoyen, 1594–1598
1594 war der Chablais fest calvinistisch geprägt. Katholische Priester durften die Region nicht betreten. Franz ging dennoch zu Fuss dorthin, fast allein. Weil niemand seine Predigten hören wollte, liess er Flugblätter drucken und schob sie unter den Türen hindurch. Er schlief im Schnee und überstand zwei Anschläge auf sein Leben. Einmal sass er halb erfroren auf einem Baum, während unter ihm Wölfe lauerten. Innerhalb von vier Jahren kehrte ein grosser Teil dieser Region mit ihren 60’000 Einwohnern zum katholischen Glauben zurück, ohne einen einzigen Soldaten. Im November 1597 wurde die Kirche in Thonon geöffnet, und Franz feierte dort vor Tausenden die Messe. Seine Zeitgenossen hatten dies für unmöglich gehalten.

Annecy, 1620
Michel Favre war schwer krank und hatte keine Hoffnung mehr auf Genesung. Er bat Franz, ihn persönlich zu segnen. Nach den Zeugnissen, die im Seligsprechungsverfahren von 1661 festgehalten wurden, wurde Favre nach diesem Segen plötzlich und vollständig gesund, ohne medizinische Erklärung. Die Kirche prüfte den Fall förmlich im Rahmen der Beweisaufnahme über die Heiligkeit des Franz von Sales. Favre lebte und starb in Annecy. Das Zeugnis über seine Heilung wurde von Zeitgenossen unterzeichnet, die ihn gekannt hatten.

Annecy, um 1610–1622
Martin war ein junger Mann, der von Geburt an gehörlos war und nicht sprechen konnte. Damals war er damit praktisch vom sakramentalen Leben der Kirche ausgeschlossen: Er konnte weder eine Beichte aussprechen noch am Glaubensunterricht teilnehmen. Franz lernte eigens für ihn die Gebärdensprache, um ihn geistlich begleiten zu können. So konnte Martin zum ersten Mal in seinem Leben beichten und die Erstkommunion empfangen. Im 17. Jahrhundert, als man gehörlosen Menschen die volle Teilnahme an den Sakramenten nicht zutraute, war dies beispiellos. Franz hielt es nicht als Wunder fest. Für ihn war es schlicht seine Aufgabe als Seelsorger, diesem einen Menschen beizustehen.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er begleitet Menschen, die mit ihrem Temperament ringen und sanftmütiger werden möchten.
Sein Leben weist auf Jesus Christus hin, der gesagt hat: „Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“
Und mit Christus führt der Weg im Heiligen Geist zum Vater.
Sei, was du bist, und sei es gut.
Ein Grundsatz seiner Spiritualität: wahrhaftig sein, statt nach äusserer Vollkommenheit zu streben