Priester und Gründer der Salesianer · 1815–1888
Festtag: 31. Januar
Mit Güte statt mit Schlägen.
Ein Vater für junge Menschen, die andere aufgegeben hatten.
Für Eltern, Erziehende und junge Menschen, die ihren Weg suchen.

Johannes Bosco schrieb keine theologischen Abhandlungen über die Armut. Er ging auf die Strassen Turins und suchte die Kinder. Er fragte nicht, ob sie es wert waren, dass man sich um sie kümmerte. In jedem Jungen, auch im schwierigsten, sah er einen Menschen statt eines Problems. Von ihm stammt ein Satz, der einfach klingt und doch alles verändert: „Es genügt nicht, die jungen Menschen zu lieben. Sie müssen wissen, dass sie geliebt werden.“
Bei ihm gehörten Glaube und Alltag zusammen: Gebet und Sakramente ebenso wie Werkstätten, Schulen, Musik, Sport und Theater. Die jungen Menschen sollten gute Christen und aufrichtige Bürger werden. Ein Glaube, der nicht zum Leben befähigt, genügt nicht. Arbeit ohne Glauben führt nicht weiter. Don Bosco entschied sich nicht für das eine oder das andere. Er lebte beides.
An ihn wenden sich Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, Lehrkräfte, die nicht aufgeben, und junge Menschen, die nach Orientierung und Arbeit suchen. Ebenso Menschen, die mit schwer erziehbaren Jugendlichen arbeiten oder sich fragen, ob ihre Mühe überhaupt noch einen Sinn hat. Don Bosco gibt keine einfachen Antworten. Er bleibt den Menschen nahe und lädt dazu ein, es ihm gleichzutun.
Wähle dein Anliegen. Nimm dir Zeit für das Gebet.
Johannes Bosco wurde am 16. August 1815 in Becchi im Piemont geboren. Er stammte aus einer Bauernfamilie, die in ärmlichen Verhältnissen lebte. Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter Margareta blieb mit drei Söhnen allein zurück. Sie war selbst in Armut aufgewachsen, hatte aber einen festen Glauben. Als Johannes ins Priesterseminar ging, sagte sie zu ihm: „Du bist arm in die Kirche eingetreten. Bleib arm. Und wenn ich deinem Auftrag eines Tages zur Last werde, dann vergiss mich.“
Schon als Junge konnte Johannes andere Kinder für sich gewinnen. Er lernte zu jonglieren, auf dem Seil zu gehen und Kunststücke vorzuführen. So versammelte er seine Altersgenossen um sich und konnte ihnen vom Glauben erzählen. Mit neun Jahren hatte er einen Traum, in dem er viele Jungen sah, die sich prügelten und fluchten. Jesus sagte ihm, er solle sie nicht mit Schlägen, sondern mit Güte und Liebe gewinnen. Maria zeigte sich ihm als Lehrerin. Die wilden Tiere, Wölfe und Bären, verwandelte sie in sanfte Lämmer. Sie sagte zu ihm: „Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du alles verstehen.“ Diesen Traum vergass er sein Leben lang nicht.
1841 wurde er in Turin zum Priester geweiht. In der Stadt lebten viele arme Kinder, die vom Land gekommen waren, um in den Fabriken Arbeit zu suchen. Sie hatten weder ihre Familie bei sich noch eine Unterkunft oder sonst etwas, worauf sie sich verlassen konnten. Johannes begann, sie sonntags auf den Wiesen der Stadt zu versammeln. Zunächst waren es zwanglose Treffen, bei denen er ihnen den Glauben nahebrachte. Daraus wuchs etwas, das niemand so geplant hatte: das Oratorium in Valdocco. Es fand zunächst behelfsmässig in einem Hof, einem Stall oder einem gemieteten Raum Platz und wurde immer grösser.
1859 gründete Don Bosco offiziell die Salesianische Gesellschaft (Salesiani di Don Bosco). Zu den Schulen und Werkstätten kam 1872 eine Gemeinschaft von Ordensfrauen für die Arbeit mit Mädchen hinzu: Zusammen mit Maria Mazzarello gründete er die Töchter Mariä Hilfe der Christen. 1876 rief er für Laien die Salesianischen Mitarbeiter ins Leben.
Don Bosco war nicht nur Erzieher. Er blickte weit über seinen unmittelbaren Wirkungskreis hinaus. Er träumte von Missionen in Südamerika und beschrieb Landschaften, die er nie gesehen hatte. Als die ersten Salesianer 1875 nach Argentinien und nach Patagonien kamen, erkannten sie Gegenden wieder, von denen Don Bosco ihnen erzählt hatte. Seine Vision von Brasília, einer grossen Zivilisation inmitten des unbewohnten Urwalds, erfüllte sich mit dem Bau der Stadt in den Jahren 1956–1960.
Am 31. Januar 1888 starb Don Bosco in Turin, völlig erschöpft. Seit Jahren hatten Ärzte ihm geraten, kürzerzutreten. Doch er hatte weitergemacht. Auf dem Sterbebett sagte er seinen Freunden: „Sagt den jungen Menschen, dass ich sie im Paradies erwarte.“ 1929 wurde er seliggesprochen. Am Ostersonntag, dem 1. April 1934, sprach Papst Pius XI. ihn heilig. Der Papst nannte ihn einen „Vater und Lehrer der Jugend“.

Turin, 1852–1866
Seit den frühen 1850er-Jahren erhielt Don Bosco Morddrohungen. Er war nachts allein in gefährlichen Vierteln Turins unterwegs. Zwischen 1852 und 1866 erschien etwa dreissigmal ein grosser grauer Hund und begleitete ihn. Als sich ihm einmal Angreifer näherten, sprang der Hund dazwischen, und die Männer flohen. Ein anderes Mal wollte Don Bosco spätabends noch ausgehen. Der Hund stellte sich ihm in den Weg und liess ihn nicht vorbei. Am nächsten Tag erfuhr man, dass in jener Strasse Angreifer auf ihn gelauert hatten. Don Bosco nannte den Hund Grigio. Wem er gehörte und woher er kam, fand er nie heraus. Sobald Don Bosco in Sicherheit war, verschwand der Hund wieder. Mehrere Zeugen bestätigten, ihn gesehen zu haben. In seinen Lebenserinnerungen schrieb Don Bosco über ihn, ohne eine Erklärung zu geben. Er konnte nur staunen.

Oratorium Valdocco, Turin, 1860er-Jahre
Jungen, die im Oratorium von Valdocco bei Don Bosco aufgewachsen und später Priester geworden waren, erzählten von denselben Begebenheiten: Ein Korb mit Kastanien reichte für Hunderte hungriger Kinder und war am Ende noch immer nicht leer. Aus einem Ziborium, das Hostien für fünfzig Personen enthielt, konnten alle Wartenden die Kommunion empfangen. Don Bosco sprach nie offen darüber. Wenn man ihn fragte, lenkte er das Gespräch auf etwas anderes. Der salesianische Chronist Giovanni Bonetti sammelte diese Zeugnisse über Jahrzehnte und hielt sie in der Chronik des Oratoriums fest. Die Zeugen unterschrieben ihre Aussagen vor kirchlichen Kommissionen. Im Heiligsprechungsverfahren wurden sie von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse berücksichtigt.

Turin, 1862
Am Abend des 30. Mai 1862 erzählte Don Bosco einen Traum, den er einige Nächte zuvor gehabt hatte: Die Kirche erschien als grosses Schiff auf einem stürmischen Meer, angegriffen von anderen Schiffen. Der Papst wurde schwer verwundet und fiel zu Boden. Man half ihm auf, doch ein zweiter Treffer brachte ihm den Tod. Sofort wurde ein Nachfolger gewählt. Aus dem Meer ragten zwei Säulen: Auf der einen stand die Eucharistie, auf der anderen Maria, die Helferin der Christen. Dem neuen Papst gelang es, das Schiff an beiden Säulen festzumachen. Die feindlichen Schiffe gerieten in Unordnung, stiessen zusammen und versanken. Die begleitenden Schiffe machten ebenfalls an den Säulen fest. Auch jene, die sich zunächst ängstlich ferngehalten hatten, kamen hinzu. Das Meer wurde ruhig. Don Bosco deutete den Traum als Hinweis auf schwere Prüfungen der Kirche und empfahl als Halt die Verehrung Mariens und den häufigen Empfang der Kommunion. Die Vision prägte die salesianische Spiritualität: Sakramente und Maria sind die beiden Stützen der Kirche. Die Salesianer bewahrten den Bericht und veröffentlichten ihn als prophetischen Hinweis auf spätere Krisen.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Zeuge.
Seine Liebe zu jungen Menschen weist auf Christus hin, der gesagt hat: „Lasst die Kinder zu mir kommen.“
Mit Christus führt dieser Weg im Heiligen Geist zum Vater.
„Da mihi animas, cetera tolle.“
Gib mir Seelen, alles andere nimm. Danach hat er gelebt.