Papst und Zeuge der Hoffnung · 1920–2005
Festtag: 22. Oktober
Habt keine Angst.
Ein Mensch, der anderen entgegengeht.
Für alle, die Angst haben und Hoffnung suchen.

Johannes Paul II. war ein Papst, der keine Distanz hielt. Er ging auf die Menschen zu: in Krankenhäusern, Gefängnissen, Armenvierteln und Stadien überall auf der Welt. Seine Nähe war keine diplomatische Geste. Sie entsprang der tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch eine Würde besitzt, die Achtung verdient.
Als er 1978 zu Beginn seines Pontifikats sagte: «Habt keine Angst», war das kein Schlagwort. Es war die Einladung eines Menschen, der selbst Angst durchlebt und hindurchgefunden hatte.
An ihn wenden sich Menschen, die Angst haben und nicht wissen, was der nächste Tag bringt. Menschen, die unter Krankheit und Schmerzen leiden. Und Menschen, die vergeben müssen oder selbst Vergebung brauchen. Johannes Paul II. hat all das erlebt: den Krieg, ein Attentat, eine lange Krankheit vor den Augen der Welt. Seine Hoffnung verlor er nie.
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Der heilige Johannes Paul II. wurde am 18. Mai 1920 als Karol Józef Wojtyła in Wadowice geboren, einer kleinen Stadt bei Krakau in Polen. Schon früh verlor er die Menschen, die ihm am nächsten standen. Seine Mutter starb, als er fast neun Jahre alt war, seinen Bruder verlor er mit zwölf und seinen Vater mit zwanzig Jahren. So begann er sein Erwachsenenleben allein und mit einem tiefen Verständnis dafür, was Verlust bedeutet.
Sein Studium der polnischen Sprache und Literatur wurde durch den deutschen Überfall 1939 unterbrochen. Während des Krieges arbeitete er in einem Steinbruch und einer Chemiefabrik, um der Deportation zu entgehen. Er schrieb Gedichte, spielte Theater und beteiligte sich am kulturellen Widerstand. 1942 trat er in das geheime Priesterseminar von Kardinal Sapieha ein. Am 1. November 1946 wurde er zum Priester geweiht.
Nach seiner Promotion am Angelicum in Rom kehrte er nach Polen zurück. 1953 schloss er seine Habilitation an der Jagiellonen-Universität in Krakau ab und lehrte philosophische Ethik. Als Dichter und Dramatiker war er unter dem Pseudonym Andrzej Jawień bekannt. Papst Pius XII. ernannte ihn 1958 zum Bischof, Papst Paul VI. 1964 zum Erzbischof von Krakau und 1967 zum Kardinal. Er nahm an allen Sitzungsperioden des Zweiten Vatikanischen Konzils aktiv teil.
Am 16. Oktober 1978 wählte das Konklave Karol Wojtyła zum Papst, als ersten Nichtitaliener seit 455 Jahren. Bei der Messe zu Beginn seines Pontifikats am 22. Oktober 1978 sprach er die Worte, die für sein Wirken stehen sollten: «Habt keine Angst! Öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!»
Am 13. Mai 1981 feuerte Mehmet Ali Ağca auf dem Petersplatz vier Schüsse ab. Johannes Paul II. wurde schwer verletzt. Eine Kugel verfehlte seine Aorta nur um einen Millimeter. Es war der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Fatima. Später sagte er: «Eine Hand hat geschossen, eine andere die Kugel gelenkt.» Im Dezember 1983 besuchte er Ağca im Gefängnis und vergab ihm. Eine der Kugeln liess er in die Krone der Marienstatue von Fatima einsetzen.
Sein neuntägiger Besuch in Polen im Juni 1979, an dem etwa zehn Millionen Menschen teilnahmen, gab den Anstoss für eine Widerstandsbewegung. Solidarność wurde zur grössten Arbeiterbewegung in der Geschichte des Kommunismus. Zbigniew Brzeziński und andere Beobachter erklärten später, dass die Rolle des Papstes beim friedlichen Ende des Kommunismus entscheidend gewesen sei.
Johannes Paul II. besuchte 129 Länder und gründete 1985 die Weltjugendtage. Sie wurden zur grössten regelmässig stattfindenden Wallfahrt in der Geschichte der Kirche. Er veröffentlichte 14 Enzykliken. Besonders einflussreich war Redemptor Hominis über die Würde des Menschen. Zwischen 1979 und 1984 hielt er 129 Katechesen zur Theologie des Leibes. Im Jahr 2000 führte er den Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit für die ganze Kirche ein.
Seit Mitte der 1990er-Jahre waren die Folgen seiner Parkinsonkrankheit sichtbar. Er wollte sich nicht verbergen und trat auch mit zitternden Händen und gebeugtem Körper vor die Menschen. Er sagte: «Christus ist nicht vom Kreuz herabgestiegen.» Bis zuletzt blieb er in der Öffentlichkeit.
Am 2. April 2005 starb er am Vorabend des Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit, den er selbst eingeführt hatte. Seine letzten überlieferten Worte lauteten: «Lasst mich zum Vater gehen.» Etwa vier Millionen Pilger kamen nach Rom. Am 1. Mai 2011 sprach Benedikt XVI. ihn selig, am 27. April 2014 Papst Franziskus heilig. Sein Gedenktag ist der 22. Oktober.
Die beiden anerkannten Wunder für seine Selig- und Heiligsprechung sowie aussergewöhnliche Ereignisse aus seinem Pontifikat.

Aix-en-Provence, Frankreich, 2005
Die französische Ordensfrau Marie Simon-Pierre Normand aus der Gemeinschaft der Kleinen Schwestern der Mutterschaft litt an Parkinson, derselben Krankheit wie Johannes Paul II. Nach seinem Tod im April 2005 begann ihre Gemeinschaft, um seine Fürsprache zu beten. In der Nacht zum 3. Juni 2005 spürte die Schwester plötzlich eine Veränderung. Am nächsten Morgen stand sie ohne Krankheitszeichen auf. Auch ihre Handschrift, die zuvor durch das Zittern beeinträchtigt gewesen war, war wieder ganz ruhig und gleichmässig. Die Ärztekommission des Vatikans und unabhängige Fachleute bestätigten, dass es dafür keine natürliche Erklärung gab. Ihre Heilung wurde als Wunder für die Seligsprechung Johannes Pauls II. anerkannt. Schwester Marie Simon-Pierre lebt und gibt bis heute Zeugnis davon.

Costa Rica, 2011
Bei Floribeth Mora Díaz aus San José in Costa Rica wurde im April 2011 ein Hirnaneurysma festgestellt. Die Ärzte sagten ihr, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben habe und eine Operation nicht möglich sei. Am 1. Mai 2011, dem Tag der Seligsprechung Johannes Pauls II., sah sie die Übertragung der Feier und hörte seinen Namen. Ihrem Zeugnis zufolge vernahm sie eine innere Stimme: «Steh auf. Hab keine Angst.» Sie stand auf, und die Schmerzen verschwanden. Erneute ärztliche Untersuchungen zeigten, dass sich das Aneurysma vollständig zurückgebildet hatte. Die internationale Ärztekommission des Vatikans erkannte den Fall als natürlich nicht erklärbare Heilung an. Dieses Wunder wurde für die Heiligsprechung Johannes Pauls II. im Jahr 2014 anerkannt.

Petersplatz, Rom, 13. Mai 1981
Aus wenigen Metern Entfernung feuerte Mehmet Ali Ağca auf dem Petersplatz vier Schüsse auf Johannes Paul II. ab. Zwei Kugeln trafen ihn unmittelbar, eine im Bauch, die andere am Arm. Die Chirurgen, die ihn operierten, bezeichneten sein Überleben als medizinisches Wunder: Eine Kugel hatte die Aorta nur um einen Millimeter verfehlt. Johannes Paul II. sagte selbst: «Eine Hand hat geschossen, eine andere die Kugel gelenkt.» Das Attentat geschah am 13. Mai, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Fatima und Jahrestag der ersten Erscheinung dort im Jahr 1917. Der Papst liess eine der Kugeln in die Krone der Marienstatue im Heiligtum von Fatima einsetzen. Im Dezember 1983 besuchte er Ağca im Gefängnis und vergab ihm öffentlich.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er begleitet dich auf deinem Weg durch die Angst.
Sein Leben führt zu Jesus Christus. Er hat gesagt: «Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.»
Und mit Christus im Heiligen Geist zum Vater.
«Habt keine Angst! Öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!»
Predigt zum Beginn seines Pontifikats