Heilige Katharina von Siena

    Dominikanische Terziarin und Kirchenlehrerin · 1347–1380

    Festtag: 29. April

    Frei in Christus.

    Sie blieb, wenn andere flohen.

    Für alle, die Mut brauchen und Freiheit suchen.

    Warum du dich an sie wenden kannst

    Lehrerin der Liebe

    Katharina von Siena schöpfte aus dem Gebet eine Freiheit, die kein Titel verleihen kann. Sie hatte weder ein kirchliches Amt noch Macht. Trotzdem schrieb sie den Päpsten mit der Entschiedenheit eines Menschen, der etwas Wichtiges zu sagen hat. Sie sprach ohne Angst, weil sie nichts zu verlieren hatte.

    Diese Freiheit zeigte sich in ihrem Leben: Während der Pest blieb sie in Siena, als andere flohen. Sie begleitete Verurteilte zur Hinrichtung und schrieb bis zuletzt für die Einheit der Kirche. Dem Leiden wich sie nicht aus. Sie ging dorthin, wo Menschen litten, und erkannte in ihnen den leidenden Christus.

    An sie wenden sich Menschen, die leiden und fürchten, darüber den Zugang zu Gott zu verlieren. Menschen, die etwas Schweres sagen oder tun müssen und nicht die Kraft dazu finden. Und Menschen, die glauben, zu weit gegangen zu sein, um noch umkehren zu können.

    Anliegen

    Wann du dich an sie wenden kannst

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    Lebensgeschichte

    Leben der Heiligen

    Katharina wurde am 25. März 1347 in Siena als vierundzwanzigstes Kind des Färbers Jacopo Benincasa geboren. Ein Jahr später erreichte die grosse Pest die Stadt; in Europa sollte ihr fast die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer fallen. Siena blieb Katharina ihr Leben lang verbunden: Hier hatte sie als Kind ihre ersten Visionen, hier diente sie den Sterbenden, und von hier aus schrieb sie an Päpste und Könige.

    Mit sechs oder sieben Jahren sah sie in ihrer ersten Vision Christus über den Kirchen von Siena. Von da an wusste sie, dass sie nicht heiraten, sondern Gott suchen wollte. Ihre Familie konnte das lange nicht annehmen. Sie schnitt sich selbst die Haare ab. Man nahm ihr den Raum zum Beten und überhäufte sie mit Hausarbeit. Katharina antwortete mit Schweigen und Gebet. Erst als ihr Vater eine Taube über ihrem Kopf sah, während sie kniete, gab er seinen Widerstand auf.

    Mit siebzehn Jahren nahm sie den schwarzen Mantel der dominikanischen Terziarinnen, der Mantellatinnen, an. Die Frauen dieser Laiengemeinschaft lebten ausserhalb eines Klosters. Es folgten mehrere Jahre fast vollständiger Zurückgezogenheit in einem Zimmer ihres Elternhauses. Katharina ass kaum etwas. Sie sagte, ihr Körper nehme ausser der Eucharistie keine Nahrung mehr an. Was andere als Krankheit deuteten, verstand sie als Gnade: Sie sei nicht mehr vom Brot abhängig, sondern allein von Gott.

    Um 1368 erlebte sie ihre mystische Vermählung mit Christus und verliess die Zurückgezogenheit. Ihr Leben änderte sich grundlegend. Die Frau, die jahrelang in einem einzigen Zimmer gelebt hatte, war nun überall anzutreffen: in den Spitälern von Siena bei den Pestkranken, an den Betten der Sterbenden und an der Seite von Verurteilten auf dem Weg zur Hinrichtung. Um sie sammelte sich eine ungewöhnliche Gemeinschaft, die Caterinati: Priester, Theologen, Adlige, ehemalige Räuber und Laien verschiedener Stände. Sie nannte sie ihre «liebste famiglia» und wurde ihnen zur geistlichen Mutter.

    Das Blut Christi — Nel Sangue

    Die Mitte ihrer Spiritualität

    Das Blut Christi — Nel Sangue

    In ihren mystischen Gesprächen mit Gott Vater, die im Dialog festgehalten sind, gewann die heilige Katharina ein tiefes Verständnis für das Geheimnis des Blutes Christi.

    Gott Vater offenbarte ihr, dass das Blut Christi nicht allein ein Zeichen seines Leidens ist. Es ist der grösste Beweis seiner Liebe zum Menschen und der Weg, auf dem der Mensch zum Vater zurückkehrt.

    Deshalb beschreibt sie Christus als Brücke zwischen Himmel und Erde. Sein vergossenes Blut hat den Weg wiederhergestellt, den die Sünde unterbrochen hatte, damit der Mensch erneut zu Gott gelangen kann.

    Gott Vater sagt ihr:

    «Wie wurde der Himmel geöffnet? Mit dem Schlüssel seines Blutes.»
    «Durch dieses Blut empfangt ihr das Leben.»
    «Das kostbare Blut meines eingeborenen Sohnes hat Tod und Finsternis vertrieben, die Lüge besiegt und Licht und Wahrheit gebracht.»

    Von da an wurde das Blut Christi zur Mitte ihres Lebens. In ihren Briefen rief sie deshalb immer wieder dazu auf:

    «Badet im Blut des gekreuzigten Christus.»
    «In diesem Blut ist das Leben, denn es schenkt der Seele Leben.»
    Wunder und Zeichen

    Zeugnisse des Vertrauens

    Raimund von Capua, ihr Beichtvater und Biograf, hielt diese Ereignisse fest; seine Berichte wurden im Heiligsprechungsverfahren herangezogen.

    Die Stigmata in Pisa

    Pisa, 1. April 1375

    Die Stigmata in Pisa

    In der Kirche Santa Cristina in Pisa geriet Katharina während der Messe beim Empfang der Kommunion in Ekstase. Zeugen sahen ihren Körper erbeben und beobachteten, wie sie das Bewusstsein verlor. Als sie wieder zu sich kam, erzählte sie Raimund von Capua, sie habe Christus gesehen, der ihr seine fünf Wundmale eingeprägt habe. Auf ihre Bitte hin blieben die Wunden zu ihren Lebzeiten für andere unsichtbar. Erst nach ihrem Tod wurden sie sichtbar. Raimund untersuchte sie persönlich und hielt dies in ihrer Lebensbeschreibung fest.

    An der Seite Niccolò di Tuldos auf dem Weg zur Hinrichtung

    Siena, 1375

    An der Seite Niccolò di Tuldos auf dem Weg zur Hinrichtung

    Niccolò di Tuldo, ein junger Mann aus Perugia, war wegen einer Beleidigung der Obrigkeit zum Tod verurteilt worden. Katharina besuchte ihn im Gefängnis, sprach mit ihm und half ihm, sich mit Gott zu versöhnen. Am Tag der Hinrichtung blieb sie an seiner Seite. In einem Brief an Raimund schilderte sie, was geschah: Als Niccolò seinen Kopf niederlegte, sah sie in einer mystischen Vision, wie Gott ihn aufnahm. Der Brief gehört zu den ungewöhnlichsten Zeugnissen christlicher Spiritualität des 14. Jahrhunderts: ungeschönt, zärtlich und ohne Angst.

    Mystischer Tod und Rückkehr ins Leben

    Siena, 1370

    Mystischer Tod und Rückkehr ins Leben

    Um 1370 erlebte Katharina, was sie selbst einen mystischen Tod nannte. Vier Stunden lang gab sie kein Lebenszeichen von sich. Die Anwesenden, darunter ihre Mutter Lapa, hielten sie für tot. Dann kam sie wieder zu sich und erzählte, ihre Seele sei ausserhalb des Körpers gewesen und habe Gott geschaut. Ihr sei jedoch gesagt worden, dass sie zurückkehren müsse, weil ihre Aufgabe noch nicht erfüllt sei. Dieses Erlebnis gab ihrem Leben eine neue Richtung: Sie verliess die Zurückgezogenheit und begann, öffentlich zu wirken.

    Schutz und Fürsprache

    Patronate

    In der kirchlichen Überlieferung

    • Europa (Mitpatronin mit Benedikt, Kyrill, Method und Birgitta)
    • Italien (Mitpatronin mit Franz von Assisi)
    • Dominikanische Terziarinnen
    • Pflegekräfte
    • Menschen mit schweren Krankheiten
    • Siena
    Gebet

    Beten mit der heiligen Katharina von Siena

    Du kannst mit den Worten der Kirche beten.

    Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.

    Du kannst auch schweigen.

    Die Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.

    Sie begleitet dich mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.

    Der Weg führt immer zu Gott.

    Geistliches Erbe

    Mit eigenen Worten

    Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

    Wallfahrtsorte

    Siena und Rom

    • Basilika San Domenico, Siena — hier werden Katharinas Kopf und einen Finger als Reliquien bewahrt. In der Nähe liegt das Santuario di Santa Caterina, ihr ehemaliges Wohnhaus.
    • Basilika Santa Maria sopra Minerva, Rom — hier ruht ihr Leib. Nach ihrem Tod 1380 wurde sie an diesem Ort beigesetzt.
    Siena und Rom
    Der Weg führt zu Gott

    Katharina ist nicht das Ziel.

    Sie ist eine Zeugin.

    Ihre Stimme, die keinen Titel brauchte, führt zu Christus. Sie selbst sagte: «Seid, was ihr sein sollt, und ihr werdet die ganze Welt in Brand setzen.»

    Mit Christus führt sie uns im Heiligen Geist zum Vater.

    Dialog über die göttliche Vorsehung

    Gott ist ein Meer des Friedens, und in diesem Meer gilt es zu bleiben.

    Katharinas geistliche Grundhaltung: dem Schmerz nicht entfliehen, sondern in Gott verwurzelt bleiben