Priester, Beichtvater und Apostel der Barmherzigkeit · 1866–1942
Festtag: 12. Mai
Geh in Frieden.
Gott hat dir vergeben.
Für Menschen, die ihre Schuld nicht loslässt.

Leopold war kein Prediger. Seine Aufgabe war die Beichte. Er sass in einer kleinen Zelle und wartete auf die Menschen, die kamen. Sie brachten ihm Sünden, von denen sie sonst niemandem erzählen konnten.
Mehr als dreissig Jahre wirkte er als Beichtvater in Padua. Eine kleine Zelle, ein Stuhl, Stille. Er wog nicht ab, ob eine Sünde zu schwer war, und verlangte keine Erklärungen. Er sah den Menschen vor sich und sagte: Geh in Frieden. Gott hat dir vergeben. Tausende fanden durch ihn den Weg zurück.
An ihn wenden sich Menschen, die ihre Schuld nicht loslässt. Die gebeichtet haben und doch innerlich nicht spüren, dass ihnen vergeben wurde. Die sich fragen, ob Gott wirklich verzeihen kann, was sie mit sich tragen. Leopold sagt ihnen: Ja. Vertraue darauf, dass dir vergeben ist.
Du darfst mit deinen Sorgen vor Gott kommen.
Leopold Bogdan Mandić wurde am 12. Mai 1866 in Herceg Novi geboren. Er wuchs in einer Familie mit sechzehn Kindern auf. Seine Mutter war italienischer, sein Vater dalmatinischer Herkunft. Schon als Kind war er gesundheitlich schwach. Ausserdem stotterte er; die Sprachstörung begleitete ihn sein Leben lang. Dennoch trat er in den Kapuzinerorden ein und wurde am 20. September 1890 in Venedig zum Priester geweiht.
Sein Leben lang wünschte er sich, in die Mission zu gehen. Besonders lag ihm die Wiedervereinigung der Christen des Ostens mit Rom am Herzen. Doch seine Bitten, als Missionar ausgesandt zu werden, wurden immer abgelehnt. Seine schwache Gesundheit, seine geringen Italienischkenntnisse und die Sprachstörung standen dem entgegen. Er blieb in Padua. Ohne Bitterkeit nahm er an, dass er dort bleiben sollte, und lernte, darin Gottes Willen zu erkennen.
1909 kam er nach Padua. Vom Herbst 1914 an widmete er sich ganz dem Beichthören in einer kleinen Zelle des Klosters. Was wie eine Einschränkung aussah, wurde zu seiner Lebensaufgabe. Mehr als dreissig Jahre wirkte er in Padua als Beichtvater. Die Menschen kamen aus ganz Venetien und zunehmend auch von weiter her. Sie brachten Lasten mit, die sie niemandem sonst anvertrauen konnten.
Sein Umgang mit den Menschen unterschied sich von der Strenge, die damals vorherrschte. Er legte ihnen kurze Bussübungen auf und begegnete ihnen mit grenzenloser Barmherzigkeit und tiefem Vertrauen auf Gott. „Geh in Frieden. Gott hat dir vergeben“, sagte er. Er rechnete nicht auf und wies niemanden ab. Tausende fanden durch ihn zum Glauben und zur Kirche zurück. Manche Mitbrüder kritisierten seine Milde. Leopold blieb dabei.
Am 14. Mai 1944 trafen alliierte Bomber die Kapuzinerkirche in Padua. Das Kloster wurde schwer beschädigt, doch Leopolds Zelle blieb unversehrt. Er selbst war bereits zwei Jahre zuvor, am 30. Juli 1942, gestorben. Die verschonte Zelle blieb als Zeichen in Erinnerung. Papst Paul VI. sprach ihn 1976 selig, Johannes Paul II. 1983 heilig. Seine Reliquien ruhen in Padua, in dem Heiligtum, das um diese Zelle entstanden ist.
Für Leopolds Selig- und Heiligsprechung prüfte die Kirche konkrete Heilungen, die medizinisch nicht erklärbar waren. In jedem Fall wurden ärztliche Gutachten und Zeugenaussagen untersucht.

Cavazzana di Lusia, 1946
Elsa Raimondi wurde 1922 in der Provinz Rovigo geboren. 1946 kam sie mit einer tuberkulösen Bauchfellentzündung ins Krankenhaus, einer lebensbedrohlichen Infektion im Bauchraum. Man entliess sie nach Hause, ohne Hoffnung auf Heilung. Am 30. Juli 1946 begann sie eine Novene zum heiligen Leopold. In einer Erscheinung sagte er ihr, dass sie bis zum 12. September gesund werden würde. An diesem Tag stand sie schmerzfrei aus dem Bett auf. Der Arzt, der sie untersuchte, konnte die Heilung medizinisch nicht erklären. Das kirchliche medizinische Prüfungsgremium kam zum Schluss, sie sei „augenblicklich, vollständig, dauerhaft und auf natürliche Weise nicht erklärbar“. Es war das erste für die Seligsprechung anerkannte Wunder; die Anerkennung erfolgte 1976.

Pagnano di Merate, 1962
Paolo Castelli, geboren 1902, brach am 4. März 1962 mit starken Bauchschmerzen zusammen. Bei einer Notoperation stellten die Chirurgen eine Thrombose der oberen Darmarterie fest. Grosse Teile des Dünndarms waren bereits abgestorben. Sie konnten nichts mehr für ihn tun und verschlossen den Bauch wieder. Die Ärzte sahen keine Aussicht auf Genesung. Seine Frau legte ihm eine Medaille mit Leopolds Bild auf und betete. Einige Tage später rief Castelli: „Ich bin gesund! Mir tut nichts mehr weh!“ Die Ärzte untersuchten ihn und fanden keine Spur der Erkrankung mehr. Am 9. März wurden sämtliche Behandlungen eingestellt. Diese Heilung wurde 1976 als zweites Wunder für die Seligsprechung anerkannt.

Ronchi di Ala, 1977
Elisabetta Ponzolotto wurde 1925 in Ronchi di Ala in der Provinz Trient geboren. Am 15. März 1977 wurde sie wegen Herzkomplikationen ins Krankenhaus aufgenommen. Infolge einer Embolie wurde ihr linker Fuss nicht mehr ausreichend durchblutet. Es entwickelte sich eine Gangrän: Der Fuss wurde schwarz und kalt und verlor jedes Gefühl. Am 27. März beschlossen die Fachärzte, das Bein zu amputieren. Sie lehnte ab und hielt eine Reliquie und ein Bild Leopolds auf das erkrankte Bein. In dieser Nacht erschien ihr ein kleiner Kapuziner mit weissem Bart. Er sagte ihr, dass ihr Bein gerettet würde. Am Morgen stellten die Ärzte fest, dass der Fuss wieder seine normale Farbe und Temperatur hatte. Die Schmerzen waren verschwunden. Die medizinische Kommission konnte die Heilung nicht erklären. Sie wurde 1983 als Wunder für Leopolds Heiligsprechung anerkannt.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er begleitet uns auf dem Weg.
Seine Zelle weist auf Jesus Christus hin, der gesagt hat: „Deine Sünden sind dir vergeben.“
Mit Christus führt dieser Weg im Heiligen Geist zum Vater.
„Geh in Frieden. Gott hat dir vergeben.“
Er rechnete nicht auf und wog nicht ab. Er vertraute.