Franziskanerpriester und Märtyrer · 1894–1941
Festtag: 14. August
Fürsprecher der Menschen, die Angst haben.
Wenn Liebe etwas kostet.
Für Menschen, die einen Schritt wagen müssen.

Rajmund Kolbe war Franziskanerpriester. Er gründete die grösste franziskanische Gemeinschaft der Welt und baute ein katholisches Medienwerk auf, dessen Zeitschrift eine Auflage von 750.000 Exemplaren erreichte. Sein Leben spielte sich nicht in mystischer Abgeschiedenheit ab. Er war ein tatkräftiger Mensch, ein Organisator mit grossen Ideen. Alles, was er begann, stellte er unter Marias Namen.
Im Juli 1941 wählten die Nationalsozialisten in Auschwitz zehn Häftlinge aus, die verhungern sollten. Einer der Männer brach in Tränen aus und rief nach seiner Frau und seinen Kindern. Kolbe trat aus der Reihe und bat darum, an seiner Stelle sterben zu dürfen. Er tat es weder für ein Publikum noch für eine Belohnung; er hatte keine Aussicht auf Rettung. Er trat vor und gab sein Leben für einen anderen.
An ihn kannst du dich wenden, wenn Angst dich daran hindert, einen Schritt zu tun, von dem du weisst, dass er nötig ist. Wenn du kaum noch einen Grund findest, nicht zu hassen. Wenn die Liebe mehr von dir verlangt, als du geben zu können glaubst. Kolbe wollte kein Held sein. Er wollte treu bleiben.
Du musst deine Last nicht allein tragen.
Rajmund Kolbe, der 1910 als Franziskanernovize den Namen Maximilian erhielt, wurde am 8. Januar 1894 in Zduńska Wola in Polen geboren. Die Stadt stand damals unter russischer Herrschaft. Sein Vater war Weber, seine Mutter Hebamme; er wuchs in einer gläubigen Familie auf. Als er zwölf Jahre alt war, erschien ihm nach seinem eigenen Zeugnis die Gottesmutter. Sie bot ihm zwei Kronen an: eine weisse für die Reinheit und eine rote für das Martyrium. Welche er wolle, fragte sie ihn. „Beide“, antwortete er. Was er damals erbat, sollte sich in seinem Leben erfüllen.
Er trat in den Franziskanerorden ein und wurde zum Studium nach Rom geschickt. Dort gründete er 1917, noch während des Ersten Weltkriegs und der russischen Revolution, mit einigen Mitstudenten die Militia Immaculatae, die Ritterschaft der Unbefleckten. Er war dreiundzwanzig Jahre alt. Ihr Ziel war schlicht: Sünder und Menschen, die nicht glaubten, durch Maria zur Umkehr zu führen. In den folgenden Jahrzehnten verbreitete sich die Bewegung über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.
Nach seiner Rückkehr nach Polen gründete er 1927 Niepokalanów, die „Stadt der Unbefleckten“. Auf einem Waldgrundstück bei Warschau begann er ganz von vorn. Bis 1939 wuchs die Gemeinschaft auf mehr als 700 Brüder an und wurde zur grössten franziskanischen Gemeinschaft der Welt. Sie gab die Zeitschrift Rycerz Niepokalanej („Ritter der Unbefleckten“) mit einer monatlichen Auflage von 750.000 Exemplaren heraus, betrieb einen eigenen Radiosender und gehörte zu den aktivsten katholischen Medienzentren Europas. Bereits 1930 war Kolbe nach Japan und 1932 nach Indien gereist. Dort arbeitete er am Aufbau von Gemeinschaften und an der Verbreitung katholischer Druckschriften.
Am 1. September 1939 überfiel das nationalsozialistische Deutschland Polen. Kolbe blieb in Niepokalanów und nahm Tausende Flüchtlinge auf, Polen und Juden. Am 17. Februar 1941 verhaftete ihn die Gestapo. Er wurde nach Auschwitz gebracht und erhielt die Häftlingsnummer 16670. Im Lager feierte er heimlich die Messe und nahm seinen Mitgefangenen die Beichte ab.
Im Juli 1941 floh ein Häftling aus Kolbes Block. Zur Vergeltung wählte Schutzhaftlagerführer Karl Fritzsch, der Stellvertreter des Kommandanten, willkürlich zehn Männer aus, die verhungern sollten. Einer von ihnen war Franciszek Gajowniczek. Er weinte und rief: „Meine Frau, meine Kinder!“ Da trat Kolbe aus der Reihe und sagte: „Ich bin katholischer Priester. Ich möchte seinen Platz einnehmen, denn er hat Frau und Kinder.“ Der Wachmann stimmte zu. Im Hungerbunker, ohne Essen und Wasser, leitete Kolbe die anderen im Gebet und im Gesang an. Zwei Wochen lang waren ihre Lobgesänge zu hören. Am 14. August 1941, dem Vorabend von Mariä Himmelfahrt, wurde er durch eine tödliche Injektion ermordet. Von selbst war er nicht gestorben.
Papst Paul VI. sprach ihn am 17. Oktober 1971 selig. Am 10. Oktober 1982 sprach ihn Papst Johannes Paul II. als Märtyrer heilig. Auch der Papst war Pole, ein Landsmann Kolbes, der den Krieg überlebt hatte. An der Messe nahm Franciszek Gajowniczek teil, damals achtzig Jahre alt. Er lebte noch dreizehn Jahre, besuchte Auschwitz weiterhin und sagte bis an sein Lebensende: „Solange ich lebe, bin ich mit dieser Erinnerung nicht allein.“


Marienverehrung
Als zwölfjähriger Junge in Warschau sah er in einer Vision zwei Kronen: eine weisse für die Reinheit und eine rote für das Martyrium. Die Gottesmutter fragte ihn, ob er eine davon wolle. Er antwortete, dass er beide wünsche. Es war mehr als kindlicher Wagemut. Dieser Augenblick veränderte sein Leben für immer. Maria war für ihn keine fromme Ergänzung seines Glaubens. Sie war sein Weg. Von da an hatte alles, was er aufbaute, schrieb und begann, eine gemeinsame Mitte.
Ganz dein, o Unbefleckte. Mit diesen Worten fasste er seine persönliche Hingabe zusammen. Er sprach und schrieb sie immer wieder.
Durch Maria zu Jesus. Das war der Leitsatz der Bewegung, die er mit dreiundzwanzig Jahren gründete und die bis zu seinem Tod Millionen Mitglieder gewann.
Niepokalanów, die Stadt der Unbefleckten, wuchs aus dem Nichts zum grössten Franziskanerkloster Europas. Die 1922 gegründete Zeitschrift Rycerz Niepokalanej („Ritter der Unbefleckten“) erreichte eine monatliche Auflage von einer Million Exemplaren. Eine Gemeinschaft von 700 Brüdern stellte alles unter Marias Schutz.
„Hab keine Angst, die Unbefleckte zu sehr zu lieben. Du kannst sie nie mehr lieben, als Jesus sie geliebt hat.“
Es geschehe nach deinem Willen. Doch gib mir Kraft, auch anzunehmen, worum ich nicht bitte. Wenn es Gott zur Ehre und der Seele zum Heil dient, lass es sich erfüllen.

Zduńska Wola, Polen
Mit zwölf Jahren kam Rajmund zu seiner Mutter und erzählte ihr von einem ungewöhnlichen Erlebnis. Die Gottesmutter war ihm erschienen und hatte ihm zwei Kronen gezeigt: eine weisse als Zeichen der Reinheit und eine rote als Zeichen des Martyriums. Sie fragte ihn, welche er wolle. Er antwortete: „Beide.“ Seine Mutter Marianna erzählte bis an ihr Lebensende von diesem Gespräch. Damals hatte sie noch nicht verstanden, was es bedeutete. 1941 verstand sie es. Die weisse Krone stand für den Franziskanerpriester, der seinem Gelübde treu blieb. Die rote für den Hungerbunker, die Injektion mit Karbolsäure und seinen Tod am Vorabend von Mariä Himmelfahrt. Als Kind hatte er einfach um beide gebeten. Gott hatte ihn beim Wort genommen.

Auschwitz, Block 11, Zelle 18
Die Zelle 18 in Block 11 von Auschwitz, in der Kolbe seine letzten vierzehn Tage verbrachte, ist heute ein Ort der Wallfahrt. Jedes Jahr kommen Tausende Menschen aus aller Welt hierher. Die Kirche hat kein förmliches Prüfverfahren eingeleitet. Doch seit Jahrzehnten berichten Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen von Heilungen, Veränderungen in ihrem Leben und erhörten Gebeten, die sie mit dieser Zelle verbinden. Ihre Zeugnisse wurden aufgeschrieben, Pfarrern übergeben und in Pilgerbüchern festgehalten. Es ist nicht die Geschichte eines einzigen grossen Wunders, sondern die Hunderter kleiner. Was am 14. August 1941 in dieser Zelle geschah, berührt die Pilger bis heute.

Auschwitz und Rom, 1941–1995
Franciszek Gajowniczek, für den Kolbe gestorben war, überlebte das Lager und wurde 1945 befreit. Aus Dankbarkeit kam er jedes Jahr nach Auschwitz zurück. Er nahm 1971 an der Seligsprechung und 1982 an der Heiligsprechung teil; dort sass er weinend in den vorderen Reihen. Bis an sein Lebensende sagte er: „Solange ich lebe, bin ich mit dieser Erinnerung nicht allein.“ Er starb am 13. März 1995 mit dreiundneunzig Jahren. Seine Frau hatte den Krieg überlebt, doch ihre beiden Söhne waren im Januar 1945 ums Leben gekommen. Sein Zeugnis war für das Heiligsprechungsverfahren von entscheidender Bedeutung.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Zeuge.
Sein Ja und der Schritt aus der Reihe weisen auf Christus hin, der unsere Hinwendung zum Mitmenschen annimmt.
Mit Christus führt unser Weg im Heiligen Geist zum Vater.
„Hass ist keine schöpferische Kraft. Nur die Liebe ist schöpferisch.“
Über Liebe und Hass