Apostel, Märtyrer und Verfasser der Briefe · um 5–67
Festtag: 29. Juni
Vom Verfolger zum Apostel.
Fürsprecher für einen neuen Anfang.
Für alle, die Schuld mit sich tragen und auf Vergebung hoffen.

Als Saulus verfolgte er die Christen. Er ritt nach Damaskus, um sie festzunehmen und ins Gefängnis zu bringen. Da blendete ihn ein Licht. Er fiel vom Pferd und hörte eine Stimme: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ Als er aufstand, war er blind. Drei Tage lang konnte er nichts sehen. Er ass und trank nicht. Als er wieder sehen konnte, war aus dem Verfolger ein Verkünder Christi geworden.
Er blieb derselbe Mensch und begann doch ein anderes Leben. Aus dem Verfolger der Kirche wurde ihr fruchtbarster Apostel. Aus dem Gefängnis schrieb er von der Freude, aus der Erfahrung des Schiffbruchs vom Vertrauen und in Ketten von der Freiheit. Er verschwieg nicht, wie schwer es ihm fiel. Doch er gab nicht auf.
Zu ihm kommen Menschen, die tief gefallen sind und sich fragen, ob ein neuer Anfang noch möglich ist. Paulus wusste, was es heisst, auf der falschen Seite zu stehen. Und er erfuhr, dass Gott einen Menschen nicht aufgibt, sondern ihn selbst durch die Blindheit zu einem neuen Sehen führen kann.
Wähle das Anliegen, das dich heute bewegt.
Saulus war ein Mann, vor dem sich die ganze christliche Gemeinde Jerusalems fürchtete. Er war Pharisäer, hatte bei Gamaliel dem Älteren gelernt und übertraf seine Altersgenossen an Eifer. Als römischer Bürger und mit Vollmachten ausgestattet drang er in Häuser ein, nahm Männer und Frauen fest und brachte sie ins Gefängnis. Er bewachte die Kleider derer, die Stephanus, den ersten Märtyrer, steinigten, und hiess die Tat gut. Schliesslich genügte ihm das nicht mehr. Er bat die führenden Priester um ein Schreiben für Damaskus, um auch die Christen dort gefesselt nach Jerusalem bringen zu können.
Auf dem Weg nach Damaskus, um das Jahr 33 oder 34, blendete ihn plötzlich ein Licht, und er fiel zu Boden. Er hörte eine Stimme: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ – „Wer bist du, Herr?“ – „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Seine Begleiter mussten ihn an der Hand in die Stadt führen. Drei Tage lang sah er nichts, ass nichts und trank nichts. Dann kam Hananias, ein Christ, den Gott zu dem Verfolger seiner Kirche gesandt hatte, und legte ihm die Hände auf. Saulus konnte wieder sehen. Er liess sich taufen. Neben seinem jüdischen Namen Saulus trug er bereits den römischen Namen Paulus, unter dem er als Apostel bekannt werden sollte.
Danach zog er sich zurück. Er ging nach Arabien, kehrte nach Damaskus zurück und besuchte erst drei Jahre später Jerusalem. Die Apostel nahmen ihn erst auf, als Barnabas für ihn eintrat. Niemand suchte ihn. Gott formte ihn über Jahre in der Stille, um ihn danach überallhin zu senden.
Was nun folgte, sucht in der Geschichte der Mission seinesgleichen. Drei grosse Reisen zwischen 46 und 58 führten ihn von Zypern durch Kleinasien, Mazedonien und Griechenland bis nach Ephesus. In Lystra heilte er einen Mann, der von Geburt an gelähmt war. In Philippi wurde er ausgepeitscht, ins Gefängnis geworfen und gefesselt. Um Mitternacht betete und sang er, bis ein Erdbeben alle Türen öffnete. Auf dem Areopag in Athen sprach er zu den Philosophen von dem unbekannten Gott, dem sie selbst einen Altar errichtet hatten. In Ephesus arbeitete er drei Jahre lang als Zeltmacher und veränderte die ganze Stadt.
Bei all dem schrieb er. Aus dem Gefängnis, aus der Erfahrung des Schiffbruchs und der Verfolgung heraus. Er schrieb den Galatern, die sich in Gesetzlichkeit verloren hatten, den Korinthern, die miteinander stritten, und den Philippern, denen er aus der Haft Briefe über die Freude sandte. Die dreizehn Briefe, die ihm zugeschrieben werden, haben die christliche Theologie über zwei Jahrtausende geprägt. Das Hohelied der Liebe aus 1 Kor 13 wird bei vielen Trauungen gelesen. Was Paulus erlitten hatte, beschrieb er selbst: fünfmal neununddreissig Hiebe, dreimal Rutenhiebe, einmal eine Steinigung und dreimal Schiffbruch. Dazu kam die Sorge um alle Gemeinden.
Um 58 wurde er in Jerusalem verhaftet. Eine Menschenmenge wollte ihn im Tempel umbringen; ein römischer Soldat schützte ihn, doch Paulus blieb in Haft. Er berief sich auf sein römisches Bürgerrecht und verlangte einen Prozess vor dem Kaiser. Das bewahrte ihn vor der Todesstrafe, führte ihn aber auf einen jahrelangen Weg durch die Justiz des Römischen Reiches. Auf der Fahrt nach Rom erlitt sein Schiff vor Malta Schiffbruch. Alle 276 Menschen an Bord überlebten. Auf der Insel heilte er viele Menschen und gründete eine Gemeinde. Schliesslich kam er als Gefangener in Rom an.
Im Hausarrest empfing er weiterhin Menschen und schrieb. Nach beständiger Überlieferung wurde er um 67 unter Nero mit dem Schwert hingerichtet, wie es ihm als römischem Bürger zustand, bei Aquae Salviae an der Via Laurentina ausserhalb der Stadt. Über seinem Grab liess Kaiser Konstantin eine Basilika errichten. Der Sarkophag wurde 2006 bei Ausgrabungen unter einer Marmorplatte mit der Inschrift PAULO APOSTOLO MART freigelegt. 2009 wurden die Ergebnisse der Untersuchung von Knochenfragmenten aus dem Sarkophag veröffentlicht. Der Mann, der nach Damaskus geritten war, um die Kirche zu vernichten, ruht heute unter einer ihrer berühmtesten Kirchen.

Damaskus, um 33–34
Paulus verfolgte die Christen mit einem offiziellen Auftrag. Er trug Schreiben der führenden Priester bei sich, die ihn zu Festnahmen ermächtigten. Auf dem Weg nach Damaskus blendete ihn ein Licht, und er hörte eine Stimme: „Saulus, warum verfolgst du mich?“ Drei Tage lang war er blind, ohne zu essen oder zu trinken. Hananias legte ihm die Hände auf. Er konnte wieder sehen und fand zum Glauben. Aus einem der entschiedensten Gegner der Kirche wurde ihr fruchtbarster Apostel. Historiker zählen dieses Ereignis zu den bedeutendsten Wendepunkten in der Geschichte des Christentums.

Lystra, Kleinasien, erste Missionsreise
Als Paulus in Lystra predigte, bemerkte er einen Mann, der von Geburt an gelähmt war und noch nie hatte gehen können. Paulus sah ihn aufmerksam an und rief laut: „Steh auf, stell dich auf deine Füsse!“ Der Mann sprang auf und begann umherzugehen. Die Menschen glaubten, die Götter seien in Menschengestalt zu ihnen herabgekommen, und begannen, Opfer darzubringen. Nur mit Mühe konnten Paulus und Barnabas sie davon abhalten. Sie zerrissen ihre Kleider und riefen: „Menschen, auch wir sind sterblich wie ihr! Wir verkünden euch, dass ihr euch von diesen nichtigen Dingen zum lebendigen Gott bekehren sollt!“

Philippi, Mazedonien, zweite Missionsreise
In Philippi wurden Paulus und Silas ausgepeitscht, ins Gefängnis geworfen und mit den Füssen im Holzblock festgesetzt. Um Mitternacht beteten sie und sangen Psalmen. Die anderen Gefangenen hörten ihnen zu. Da erschütterte ein starkes Erdbeben die Grundmauern des Gefängnisses. Alle Türen öffneten sich, und allen Gefangenen lösten sich die Fesseln. Als der Gefängniswärter erwachte und die offenen Türen sah, glaubte er, alle seien geflohen. Er wollte sich mit seinem Schwert das Leben nehmen. Paulus rief: „Tu dir nichts an, wir sind alle hier!“ Noch in derselben Nacht liess sich der Wärter mit seiner ganzen Familie taufen.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Zeuge.
Auf dem Weg nach Damaskus fiel er zu Boden und stand als Apostel der Völker wieder auf.
Sein ganzer Weg wies auf Jesus Christus hin.
„Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.“
Aus dem Brief an die Philipper