Zisterzienseroblate und Mystiker · 1911–1938
Festtag: 26. April
Gott allein. Solo Dios.
Krankheit muss nicht das Ende sein. Sie kann zu einem Weg werden.
Für Menschen, deren Leben anders verläuft als geplant.

Nach den Massstäben der Welt hatte Rafael nichts erreicht. Er schloss sein Architekturstudium nicht ab. Er legte keine Ordensgelübde ab und wurde kein Priester. Mit siebenundzwanzig Jahren starb er als Oblate, gewissermassen als Gast im Kloster, in einem Körper, der ihn immer wieder im Stich liess. Und doch wurde daraus ein erfülltes Leben. „Solo Dios“, Gott allein, war für ihn keine fromme Redensart. Es war alles, was ihm geblieben war. Und er entschied sich, dass es genug war.
Seine Stärke liegt in dieser radikalen Einfachheit. Nicht in einer grossen Entsagung oder in heldenhaften Taten, sondern darin, jeden Tag aufs Neue anzunehmen: dass er nicht der sein konnte, der er sein wollte; dass sein Körper nicht mitmachte; dass sein Leben anders verlief als geplant. Und dass Gott ihm in all dem genügte.
An ihn wenden sich Menschen, deren Pläne zerbrochen sind, die krank sind und nicht so leben können, wie sie es sich gewünscht haben. Menschen, die sich fragen, ob ihr Glaube lebendig bleiben kann, wenn alles andere schwindet. Rafael bietet ihnen keine Lösung an. Er ist ihnen ein Weggefährte: Auch er hat das erlebt. Und genau dort hat er Gott gefunden.
Wähle dein Anliegen. Nimm dir Zeit für das Gebet.
Rafael Arnáiz Barón wurde am 9. April 1911 im spanischen Burgos in eine wohlhabende Familie geboren. Er studierte Architektur in Madrid, spielte Klavier und malte. Er war kein verschlossener Mensch, der vor dem Leben floh. Er war fröhlich, gesellig und geliebt. Er hatte eine Verlobte und eine Zukunft vor sich. Zugleich spürte er etwas, für das er noch keinen Namen hatte: eine stille, beharrliche Sehnsucht nach Gott, die ihn nicht mehr losliess.
1930 besuchte er das Zisterzienserkloster San Isidro de Dueñas in Palencia, bekannt als La Trapa. Etwas in ihm wurde wach. Vier Jahre lang wartete er, dachte nach und rang mit sich. Dann löste er 1934 seine Verlobung, brach das Studium ab und trat ins Kloster ein. Seiner Familie sagte er: „Ich gehe zu dem, der mich ruft.“ Die Familie weinte. Er selbst nicht.
Im Kloster war er glücklich. Doch dieses Glück währte nur kurz. Etwa vier Monate nach seinem Eintritt versagte sein Körper: Diabetes mellitus, eine Krankheit, für die es damals noch keine ausreichende Behandlung gab. Er musste gehen. Krank und innerlich erschüttert kehrte er nach Hause zurück und schrieb: „Gott hat mich den Himmel kosten lassen, und nun schickt er mich zurück in die Welt.“ Er verstand es nicht. Aber er lief auch nicht davor davon.
Sobald er konnte, im Januar 1936, kehrte er zurück. Wieder musste er gehen. Er kam zurück und musste erneut fort. Viermal trat er in La Trapa ein, dreimal musste er das Kloster verlassen: zweimal wegen seiner Gesundheit, einmal wegen der Einberufung zum Militär. Jedes Mal tat der Abschied weh. Im Dezember 1937 kehrte er zum letzten Mal zurück und blieb dort bis zu seinem Tod. Statt aufzugeben, lebte er im Kloster als Oblate: ohne Ordensgelübde, ohne ganz in die Gemeinschaft aufgenommen zu sein und ohne feste Stellung. Wie ein Gast, der weder hier noch dort wirklich hingehörte. Und gerade in dieser Leere, zwischen dem, was er sein wollte, und dem, was er sein konnte, fand er alles.
In seinen letzten Lebensjahren, von 1937 bis zu seinem Tod, schrieb Rafael. Er schrieb nicht für andere, sondern weil er nicht anders konnte. Briefe an seinen Vater und an einen Freund, geistliche Aufzeichnungen in seinen Heften. Es waren keine frommen Floskeln. Hier schrieb ein Mensch, der gelernt hatte, dass Gott genügt: als Erfahrung, nicht bloss als Gedanke. Eine Erfahrung, die sich im Schmerz bewähren musste, im stillen Annehmen und in einem Körper, der nicht mehr mitmachte. „Solo Dios basta“ – Gott allein genügt.
Am 26. April 1938 starb er in La Trapa, siebenundzwanzig Jahre alt. Einer der Brüder hielt fest, er sei mit einem Lächeln gestorben. Beinahe unbeachtet wurde er auf dem Klosterfriedhof beigesetzt. 1992 wurde er seliggesprochen, 2009 sprach Papst Benedikt XVI. ihn heilig. Seine Briefe erschienen in mehreren Bänden und wurden in Dutzende Sprachen übersetzt. Bis heute sprechen sie Menschen an, die im Glauben weniger nach Argumenten als nach gelebter Erfahrung suchen.

Palencia – Valladolid, 1982–1992
Carmen Argüelles, eine neunzehnjährige Studentin, wurde 1982 in Palencia schwer verletzt, als ein Bagger gegen eine Ampel fuhr, die ihr auf den Kopf fiel. Die Ärzte stellten eine schwere Hirnverletzung mit einer Thrombose und einem Ödem fest. Ihren Eltern sagten sie: „Wir halten das Gehirn für verloren.“ Ihre Mutter fuhr nach La Trapa und brachte eine Reliquie Rafael Arnáiz Baróns mit, dessen Seligsprechungsverfahren damals lief. Eine Krankenschwester legte die Reliquie unter Carmens Kopfkissen und berührte ihre Wangen. In den folgenden Tagen bildete sich die Thrombose ohne einen chirurgischen Eingriff zurück. Carmen wurde vollständig gesund und trug keine neurologischen Schäden davon. Sie setzte ihr Studium fort und wurde Rechtsanwältin. Die medizinische Kommission des Heiligen Stuhls erkannte den Fall 1991 an. Am 27. September 1992 sprach Johannes Paul II. Rafael selig.

Madrid, Weihnachten 2000
Begoña León Alonso war im siebten Monat schwanger, als sie an Weihnachten 2000 ein HELLP-Syndrom erlitt, eine seltene, lebensbedrohliche Schwangerschaftskomplikation. Durch einen Notkaiserschnitt kam ihre Tochter Laura mit einem Gewicht von 1,2 Kilogramm zur Welt. Danach geriet Begoña in einen Zustand, der als Hirntod beschrieben wurde: Leber und Nieren versagten, es kam zu Hirninfarkten und einem Lungenödem. Die Ärzte sagten der Familie, sie solle nicht mit ihrem Überleben rechnen. Zisterzienserinnen aus Burgos, die derselben Ordensfamilie wie die Mönche von La Trapa angehörten, beteten eine Novene um die Fürsprache des seligen Rafael. Am Dreikönigstag, dem 6. Januar 2001, begann Begoña sich rasch zu erholen. Alle Befunde normalisierten sich vollständig; es blieben keinerlei dauerhafte Schäden zurück. Später schrieb Begoña das Buch El milagro del Hermano Rafael. Die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse erkannte das Wunder 2008 an. Benedikt XVI. sprach Rafael am 11. Oktober 2009 heilig.

La Trapa, Palencia, 1934
Rafael trat am 16. Januar 1934 in La Trapa ein. Innerhalb von vier Monaten erkrankte er schwer an Diabetes mellitus Typ 1, einer damals kaum behandelbaren Krankheit. In nur acht Tagen verlor er 24 Kilogramm. Vorübergehend erblindete er. Die Ärzte warnten die Oberen vor einem unausweichlichen diabetischen Koma. Er musste das Kloster verlassen und zu seiner Familie zurückkehren, um mit Insulin behandelt zu werden. Er überlebte. Und er kehrte immer wieder zurück: Nach seinem ersten Eintritt kam er noch dreimal nach La Trapa. Jede Rückkehr war ein gesundheitliches Wagnis. Zweimal musste er wegen seiner Krankheit fort, einmal wegen der Einberufung zum Militär. Nach seiner letzten Rückkehr blieb er bis zu seinem Tod im Kloster. Seine Ausdauer spricht besonders Menschen mit Diabetes an. Sie rufen ihn als Schutzpatron an und berichten regelmässig von empfangenen Gnaden.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Zeuge.
Sein „Solo Dios“ weist auf Christus hin, der gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Mit Christus führt dieser Weg im Heiligen Geist zum Vater.
„Nada y nadie — solo Dios.“
Nichts und niemand, nur Gott. Er nahm diese Worte wörtlich.