Ordensfrau und Mystikerin · 1381–1457
Festtag: 22. Mai
Die Heilige der aussichtslosen Anliegen.
Treu, auch wenn alles verloren geht.
Für Menschen, die keinen Ausweg mehr sehen.

Ritas Leben nahm keinen leichten Verlauf. Eine schwere Ehe, der gewaltsame Tod ihres Mannes, der Verlust beider Söhne und dreimal die verschlossenen Türen des Klosters prägten ihren Weg. Was anderen wie eine Folge von Niederlagen erschien, durchlebte sie mit einer Treue, die ihre Mitmenschen sprachlos machte.
Sie vergab den Mördern ihres Mannes. Später trug sie fünfzehn Jahre lang an der Stirn eine offene Wunde von der Dornenkrone Christi. Vergebung war für sie keine Theorie, sondern eine Entscheidung am Grab eines geliebten Menschen. Wer zu ihr kommt, erhält keine Erklärung für den Schmerz. Doch ihr Leben bezeugt, dass Treue auch dort möglich bleibt, wo alles unmöglich scheint.
An sie wenden sich Menschen, die alles versucht haben und keinen Ausweg mehr sehen. Menschen, die eine schwere, unverdiente Verletzung vergeben müssen, und Menschen, die leiden und keine Antwort finden. Rita kannte Verlust und Unrecht aus ihrem eigenen Leben, ebenso eine Wunde, die nicht heilte. Dennoch hörte sie nicht auf zu glauben. Darum erfahren Menschen sie als Fürsprecherin, die sie versteht und vor Gott trägt, wenn jede Hilfe unerreichbar scheint.
Bring mit, was dir auf dem Herzen liegt.
Rita wurde um 1381 in Roccaporena bei Cascia in Umbrien geboren, in Mittelitalien. Schon als Kind fühlte sie sich zum Ordensleben hingezogen und wollte sich Gott weihen. Ihre Eltern verheirateten sie jedoch mit einem Mann, der für seinen Eigensinn und sein gewalttätiges Temperament bekannt war.
In ihrer Ehe blieb Rita geduldig und treu. Zeugen berichten, dass sich ihr Mann mit der Zeit veränderte. Er wurde Opfer einer Blutrache. Nun stand Rita vor einer schweren Prüfung: Ihre beiden Söhne wollten den Tod ihres Vaters rächen. Sie bat Gott, er möge sie lieber zu sich nehmen, als sie zu Mördern werden zu lassen. Beide Söhne starben bald darauf an einer Krankheit. Rita nahm dies mit einer Treue an, die für ihre Umgebung unbegreiflich war.
Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Söhne bat Rita um Aufnahme in das Augustinerinnenkloster in Cascia. Dreimal wurde sie abgewiesen, weil sie keine Jungfrau war, was als Voraussetzung für die Aufnahme galt. Nach der Überlieferung brachten Engel sie in der dritten Nacht ins Innere des Klosters. Von da an lebte sie als Ordensfrau.
Im Kloster wünschte sie sich innig, an der Passion Christi teilzuhaben. Nach der Überlieferung kniete sie vor dem Kruzifix und bat darum, dass ein Dorn in ihre Stirn dringe. Es entstand eine Wunde, die fünfzehn Jahre lang bis zu ihrem Tod offen blieb. Sie entzündete sich nie.
Im Januar vor ihrem Tod fragte jemand, der sie besuchte, ob sie sich etwas aus ihrem heimatlichen Garten wünsche. Rita bat um eine Rose. Der Besucher ging nach Roccaporena und fand dort mitten im Winter eine einzelne rote Rose in voller Blüte.
Rita starb am 22. Mai 1457. Ihr Leib wird in der Basilika in Cascia aufbewahrt und ist bis heute unversehrt. 1900 wurde sie heiliggesprochen.
Aus ihrem Leben und den Jahrhunderten ihrer Verehrung bis hin zu den Unterlagen des Heiligsprechungsverfahrens von 1900.

Cascia, um 1442
Während ihres Lebens im Kloster kniete Rita eines Tages vor dem Kruzifix und bat um eine besondere Gnade: Sie wollte an der Passion Christi teilhaben. Ein Dorn aus Christi Krone — nach der Überlieferung löste er sich tatsächlich von der Figur des Kruzifixes, vor dem sie kniete — drang in ihre Stirn. Die Wunde blieb fünfzehn Jahre lang offen, bis zu ihrem Tod im Jahr 1457. In dieser Zeit entzündete sie sich nicht und zeigte keine Anzeichen einer Infektion. Die Augustinerinnen, die mit ihr lebten, beschrieben die Wunde als eine ständig sichtbare Spur der Wundmale Christi auf ihrem Gesicht, mitten im Alltag. Gegen Ende ihres Lebens bat Rita darum, dass die Wunde heilen möge, damit sie eine Wallfahrt unternehmen könne. Sie schloss sich vorübergehend und öffnete sich nach ihrer Rückkehr wieder.

Roccaporena, Januar 1457
Im Januar 1457, wenige Monate vor ihrem Tod, lag Rita krank im Kloster und konnte ihr Bett nicht mehr verlassen. Ein Besucher aus Roccaporena fragte, ob sie einen Wunsch habe. Sie bat um eine Rose und zwei Feigen aus dem Garten ihres Elternhauses, der zu dieser Jahreszeit unter Schnee und Frost lag. Ohne Hoffnung ging der Besucher dorthin. Doch im Garten fand er eine rote Rose in voller Blüte und am kahlen, winterlichen Strauch zwei reife Feigen. Die Schwestern hielten das Geschehen fest und gaben es weiter. Die Rose wurde zu einem ihrer wichtigsten Sinnbilder. Heute ist sie in der Basilika in Cascia und in Darstellungen Ritas fast immer an ihrer Seite zu finden. Die beiden Gaben des Winters blieben in der Überlieferung als Bestätigung dafür lebendig, dass ihrem Gebet selbst an der Schwelle des Todes keine Grenzen gesetzt waren.

Cascia, um 1413
Dreimal bat Rita um Aufnahme in das Augustinerinnenkloster Santa Maria Maddalena in Cascia. Dreimal wurde sie abgewiesen, weil sie keine Jungfrau war, was damals als formale Voraussetzung für den Eintritt in diese Gemeinschaft galt. Die dritte Ablehnung war keine beiläufige Entscheidung: Eine Gruppe von Schwestern hatte ihren Fall geprüft und hielt an der Regel fest. In der dritten Nacht brachten Engel sie nach einer in frühen Klosterchroniken bewahrten Überlieferung hinter die verschlossenen Mauern. Am Morgen fanden die Schwestern sie kniend im Gebet in der Kapelle. Niemand hatte die Türen geöffnet. Die Oberin rief die Gemeinschaft zusammen und entschied, Rita ohne erneute Prüfung der Voraussetzungen aufzunehmen. Von diesem Tag an lebte Rita vierzig Jahre im Kloster. Das Geschehen gehört zu den ersten Begebenheiten, die augustinische Quellen über ihr Leben festhalten.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Die Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Sie begleitet dich mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Sie begleitet Menschen, die alles versucht haben und keinen Ausweg mehr sehen.
Ihr Leben weist auf Jesus Christus hin, der gesagt hat: «Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich» (Lk 18,27; Einheitsübersetzung 2016).
Mit Christus führt es uns im Heiligen Geist zum Vater.
Mit Gott kennt die Geduld keine Grenzen.
Überlieferung