Karmelitin und Kirchenlehrerin · 1873–1897
Festtag: 1. Oktober
Ein kleiner Weg. Eine grosse Liebe.
Für Gott ist nichts zu klein.
Für alle, die beten und keine Antwort hören.

Therese wurde durch keine aussergewöhnlichen Taten und keine sichtbaren Zeichen heilig. Als sie mit vierundzwanzig Jahren starb, kannte sie ausserhalb ihres Klosters kaum jemand. Sie war eine stille Karmelitin. Ihren Weg nannte sie den «kleinen Weg»: die unscheinbarsten Dinge mit ganzer Liebe tun, ohne nach Grösse zu streben und ohne sich auf etwas anderes zu verlassen als auf Gott.
Die letzten achtzehn Monate ihres Lebens verbrachte sie in einer tiefen geistlichen Dunkelheit. Der Himmel schien ihr verschlossen. «Ich lebe im Dunkeln, kein Sonnenstrahl erreicht mich», schrieb sie. Ihr Glaube fand keinen Halt mehr in Gefühlen, keinen Trost, kein Zeichen dafür, dass jemand sie hörte. Dennoch blieb sie auf ihrem Weg, ohne grosse Gesten und ohne einen Ausweg zu sehen. Vor ihrem Tod sagte sie: «Ich werde meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun. Ich werde Rosen regnen lassen.»
An Therese wenden sich Menschen, die sich zu klein und zu gewöhnlich fühlen, um Gott nahe zu sein. Menschen, die beim Beten nichts empfinden und sich fragen, ob das überhaupt noch Gebet ist. Und Menschen, die schon lange unter geistlicher Trockenheit leiden und keinen Ausweg sehen.
Bring mit, was dir auf dem Herzen liegt.
Die heilige Therese vom Kinde Jesus wurde am 2. Januar 1873 als Marie-Françoise-Thérèse Martin in Alençon geboren, einer kleinen Stadt in der Normandie im Norden Frankreichs. Sie war die jüngste der fünf Töchter von Louis und Zélie Martin. Ihre Eltern wurden 2008 im Pontifikat Benedikts XVI. seliggesprochen. Papst Franziskus sprach sie 2015 heilig. Sie sind das einzige Ehepaar, das gemeinsam heiliggesprochen wurde.
Ihre Mutter Zélie starb am 28. August 1877 an Brustkrebs. Therese war viereinhalb Jahre alt. Der Verlust machte sie empfindsam und hinterliess eine Traurigkeit, die sie lange begleitete. Louis zog mit seinen Töchtern nach Lisieux in das Haus Les Buissonnets, in die Nähe von Zélies Bruder Isidore Guérin. Thereses ältere Schwester Pauline wurde ihr zur «kleinen Mutter» und begleitete schon früh ihre geistliche Entwicklung.
Als Pauline 1882 in den Karmel von Lisieux eintrat, empfand Therese dies als einen weiteren Verlust. Sie erkrankte schwer, litt unter Halluzinationen, Ohnmachtsanfällen und schweren seelischen Krisen. Die Ärzte konnten keine Ursache finden. Am 13. Mai 1883, als ihr Vater Louis mit seinen Töchtern an ihrem Bett kniete und betete, blickte Therese zur Marienstatue in ihrem Zimmer. Sie sah ein sanftes Lächeln auf dem Gesicht der Muttergottes. Im selben Augenblick wurde sie gesund. Von dieser Erfahrung erzählte sie bis an ihr Lebensende.
An Weihnachten 1886 erlebte sie, was sie selbst ihre «vollständige Wandlung» nannte. An diesem Abend hörte sie, wie ihr Vater ungeduldig über ihre mit Geschenken gefüllten Strümpfe sprach. Die Überempfindlichkeit und kindliche Verletzlichkeit, die sie jahrelang begleitet hatten, verschwanden plötzlich. Therese beschrieb dies als «Gnade», als ein «Herauswachsen aus den Windeln». Von dieser Nacht an lebte sie mit einer neuen inneren Freiheit.
Schon als Kind fühlte sich Therese zum Karmel hingezogen. Im November 1887 reiste sie mit ihrem Vater als Pilgerin nach Rom. Bei Papst Leo XIII. bat sie persönlich darum, mit fünfzehn Jahren in den Karmel eintreten zu dürfen. Die Begleiter des Papstes versuchten, sie daran zu hindern. Doch er hörte sie an und sagte: «Wenn Gott es will, wirst du eintreten.» Im April 1888 wurde sie schliesslich in den Karmel von Lisieux aufgenommen, als jüngste Kandidatin, die dort je eingetreten war.
Zehn Jahre lebte sie im Karmel, still und ohne aussergewöhnliche äussere Zeichen. Sie verrichtete die alltäglichen Aufgaben einer Ordensfrau. Am 8. September 1890 legte sie ihre Gelübde ab. Gegen Ende ihres Lebens übertrug ihr die Oberin die Ausbildung der Novizinnen. Auf Anregung ihrer Schwestern begann sie, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Nach ihrem Tod erschienen diese Texte als «Geschichte einer Seele» (Histoire d’une âme, 1898). Das Buch gehört zu den meistübersetzten Werken in der Geschichte des Christentums.
Ihr «kleiner Weg» gründete in der Erkenntnis, dass man auch ohne grosse Taten zu Gott finden kann: in Einfachheit und Vertrauen, wie ein kleines Kind, das sich ganz auf seinen Vater verlässt. Seinen Höhepunkt fand dieser Weg im Akt der Hingabe an die barmherzige Liebe vom 9. Juni 1895, einer bedingungslosen Hingabe an Gott. «Meine Berufung ist die Liebe», schrieb sie. «Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein.»
Am Gründonnerstag 1896 begann Therese Blut zu husten, das erste Anzeichen ihrer Tuberkulose. Während ihr Körper immer schwächer wurde, geriet sie zugleich in eine tiefe geistliche Dunkelheit. In Briefen an ihre Schwester beschrieb sie, dass ihr der Himmel völlig verschlossen schien. Das Leben nach dem Tod, das ihr bisher Halt gegeben hatte, konnte sie sich nicht einmal mehr vorstellen. «Ich lebe im Dunkeln, kein Sonnenstrahl erreicht mich», schrieb sie. Diese Nacht dauerte volle achtzehn Monate. Sie blieb treu, ohne etwas zu empfinden, aber auch ohne aufzugeben.
Therese starb am 30. September 1897 im Karmel von Lisieux. Sie war vierundzwanzig Jahre alt. Ihre letzten überlieferten Worte lauteten: «Mein Gott … ich liebe dich.» Vor ihrem Tod hatte sie gesagt: «Ich werde sterben, aber ich werde nicht aufhören. Ich werde meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun. Ich werde Rosen regnen lassen.» 1923 wurde sie seliggesprochen, 1925 heiliggesprochen. Am 19. Oktober 1997 erhob Johannes Paul II. sie zur Kirchenlehrerin, als dritte Frau in der Geschichte der Kirche.
Erfahrungen aus ihrem Leben, kirchlich anerkannte Heilungen sowie Überlieferungen und Zeugnisse über ihre Fürsprache.

Lisieux, 13. Mai 1883
Mit zehn Jahren erkrankte Therese schwer. Sie litt unter Halluzinationen, Ohnmachtsanfällen und schweren seelischen Krisen, für die die Ärzte keine Ursache fanden. Am 13. Mai 1883 kniete ihr Vater Louis mit seinen Töchtern betend an ihrem Bett. Therese blickte zur Marienstatue in ihrem Zimmer und sah ein deutliches Lächeln und ein sanftes Licht auf Marias Gesicht. Im selben Augenblick war alles vorüber: die Krankheit, die Ängste, die Unruhe. Therese berichtete davon in ihren Aufzeichnungen. Ihre Schilderung fand auch Eingang in die Akten ihres Heiligsprechungsprozesses.

Lisieux, Frankreich, 22. März 1923
Marie Pellemans aus Belgien litt an Lungen- und Darmtuberkulose, einer schweren Erkrankung, die damals fast immer tödlich verlief. Die Ärzte rechneten mit ihrem Tod. Auf Anregung eines Verwandten bat sie in Lisieux um eine Novene zur heiligen Therese. Während einer Wallfahrt wurde sie am 22. März 1923 an Thereses Grab in Lisieux geheilt. Sie stand auf und konnte ohne Hilfe gehen; Schmerzen und Krankheitszeichen waren verschwunden. Eine Ärztekommission untersuchte den Fall im Rahmen des Heiligsprechungsverfahrens und stellte fest, dass die Heilung auf natürliche Weise nicht zu erklären war. Der Fall wurde in die Unterlagen für Thereses Heiligsprechung aufgenommen.

Seit 1897 weltweit bezeugt
Vor ihrem Tod sagte Therese: «Ich werde meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun. Ich werde Rosen regnen lassen.» Tausende Gläubige berichten davon, wie dieses Versprechen für sie erfahrbar wurde. Schon seit ihren letzten Tagen im Karmel und besonders seit der Veröffentlichung der «Geschichte einer Seele» 1898 gehen Schilderungen unerwarteter Heilungen, plötzlicher innerer Wandlungen, eines Rosendufts ohne erkennbare Quelle und einer spürbaren Gegenwart ein. Auch Ärzte und Soldaten im Ersten Weltkrieg berichteten von solchen Düften. Die Zeugnisse wurden gesammelt und in den Akten des Seligsprechungsprozesses als Hinweise auf ihre Fürsprache angeführt.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Die Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Sie begleitet dich mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Sie geht den kleinen Weg zu Gott mit dir.
Ihr Leben führt zu Jesus Christus. Er hat gesagt: «Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.»
Und mit Christus im Heiligen Geist zum Vater.
«Meine Berufung ist die Liebe. Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein.»
Aus ihrer Autobiografie