Heiliger Thomas von Aquin

    Dominikaner und Kirchenlehrer · 1225–1274

    Festtag: 28. Januar

    Der engelgleiche Lehrer

    Kirchenlehrer

    Patron der Studierenden und Philosophen

    Warum du dich an ihn wenden kannst

    Das Licht der Vernunft

    Thomas von Aquin schrieb mehr als eineinhalb Millionen Wörter über Gott. Er war der bedeutendste systematische Theologe des Abendlandes. In einem einzigen Leben verband er die griechische Philosophie mit der christlichen Offenbarung, antwortete auf die Einwände seiner Zeit und schuf ein Werk, das die Kirche fünf Jahrhunderte später zum Massstab theologischen Denkens erklärte.

    Drei Monate vor seinem Tod hörte er auf zu schreiben. Zu Reginald sagte er: «Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Stroh.» Der Mann, der mehr als eineinhalb Millionen Wörter über Gott geschrieben hatte, war schliesslich etwas begegnet, das er nicht mehr in Worte fassen konnte. Er legte die Feder nieder. Drei Monate später starb er.

    An ihn wenden sich Menschen, denen Glaube und Vernunft unvereinbar erscheinen. Menschen, die ihren Glauben über Fragen verloren haben, auf die ihnen niemand antworten konnte. Und Menschen, die jemanden suchen, der ihnen nicht einfach sagt, sie sollten glauben, sondern sich zu ihnen setzt und mit ihnen nachdenkt.

    Anliegen

    Wann du dich an ihn wenden kannst

    Bring mit, was dir auf dem Herzen liegt.

    Lebensgeschichte

    Leben des Heiligen

    Thomas von Aquin wurde um 1225 auf der Burg Roccasecca bei Aquino als siebtes Kind einer Grafenfamilie geboren. Seine Familie hatte für ihn schon früh die Leitung der wohlhabenden und angesehenen Benediktinerabtei Montecassino vorgesehen. Dort verbrachte er als Kind seine ersten Schuljahre.

    Mit fünfzehn Jahren ging er zum Studium an die neu gegründete Universität von Neapel, eine der ersten in Europa. Dort begegnete er zum ersten Mal den Dominikanern: Der Predigerorden besass nichts und lebte von Almosen, gehörte aber zu den geistig anspruchsvollsten Orden seiner Zeit. Um 1244 entschloss sich Thomas zum Eintritt. Seine Familie war entsetzt. Seine Brüder fingen ihn unterwegs ab und hielten ihn fast ein Jahr lang auf der Burg fest. Seine Mutter Theodora versuchte ihn umzustimmen. Thomas blieb bei seiner Entscheidung und wurde schliesslich um 1245 freigelassen.

    Er wurde nach Köln geschickt, um bei Albert dem Grossen zu lernen. Albert beschäftigte sich als Kenner des Aristoteles mit einer Frage, die auch Thomas sein Leben lang begleiten sollte: Lassen sich die griechische Philosophie und die christliche Offenbarung miteinander vereinbaren, oder widersprechen sie einander grundsätzlich? In dem schweigsamen, kräftig gebauten Thomas erkannte Albert bald, was anderen verborgen blieb. Seine Mitschüler nannten ihn wegen seiner Zurückhaltung den «stummen Ochsen». Albert sagte: «Dieser stumme Ochse wird einmal so brüllen, dass es in der ganzen Welt widerhallt.»

    Als Thomas 1252 in Paris zu lehren begann, war die Philosophie des Aristoteles in Europa auch eine politische Streitfrage. Ein Pariser Konzil hatte 1210 Vorlesungen über dessen Physik und Metaphysik verboten. Dahinter stand unter anderem die Auslegung des muslimischen Gelehrten Averroes, die drei grundlegenden christlichen Überzeugungen widersprach: Sie bestritt die persönliche Unsterblichkeit der Seele, hielt das Weltall für ewig statt für erschaffen und schloss Gottes Eingreifen in natürliche Ursachen aus. Siger von Brabant vertrat solche Thesen offen an der Pariser Universität. Thomas antwortete 1270 mit der Streitschrift De unitate intellectus contra Averroistas. Dabei verwarf er Aristoteles nicht, sondern zeigte, dass dessen Denken, richtig verstanden, dem Glauben nicht widerspricht. Das war ein grundlegender Schritt: Vernunft und Glaube sind keine Feinde. Sie haben denselben Ursprung.

    Wunder und Zeichen

    Zeugnisse des Vertrauens

    Bei seiner Heiligsprechung 1323 stellte die Kirche nicht allein Wunder in den Vordergrund, sondern auch das Zeugnis seines heiligen Lebens und den Wert seiner Lehre. Die Überlieferung berichtet dennoch von mehreren aussergewöhnlichen Ereignissen.

    Die Stimme vom Kreuz in Neapel

    Neapel, um 1273

    Die Stimme vom Kreuz in Neapel

    Der Überlieferung nach betete Thomas vor dem Kruzifix in der Kirche San Domenico in Neapel, als der Gekreuzigte zu ihm sprach: «Du hast gut über mich geschrieben, Thomas. Was verlangst du als Lohn?» Thomas antwortete: «Nichts als dich selbst, Herr.» Sein Biograf Wilhelm von Tocco hielt diese Begegnung als Zeugnis dafür fest, dass Thomas mit Christus nicht nur durch sein Denken, sondern auch persönlich verbunden war.

    Die Erscheinung der Apostel Petrus und Paulus

    Abtei Magliano, um 1261

    Die Erscheinung der Apostel Petrus und Paulus

    Nach den Zeugnissen seiner Schüler und der späteren Überlieferung betete Thomas eines Nachts über eine theologische Frage, die er nicht lösen konnte. Dabei erschienen ihm die Apostel Petrus und Paulus und gaben ihm Antwort. Thomas beschrieb das Ereignis als Vision. Die Überlieferung bezieht sie auf eine schwierige Stelle im Jesajakommentar, die er danach klar auslegen konnte.

    Schweben im Gebet

    Neapel, nach den Zeugnissen seiner Schüler

    Schweben im Gebet

    Mehrere Mitbrüder berichteten von Zuständen der Verzückung, in denen Thomas beim Beten seine Umgebung nicht mehr wahrzunehmen schien. Sein persönlicher Sekretär und Begleiter Reginald von Piperno schildert, wie er ihn einmal regungslos mit erhobenen Händen im Gebet antraf. Obwohl die anderen Brüder ihn zum Essen riefen, hörte Thomas sie erst, als die Vision vorüber war.

    Schutz und Fürsprache

    Patronate

    In der kirchlichen Überlieferung

    • Studierende und Wissenschaftler
    • Theologen und Philosophen
    • Universitäten und Schulen
    • Buchhändler und Bibliothekare
    • Italien und Aquino
    Gebet

    Beten mit dem heiligen Thomas von Aquin

    Du kannst mit den Worten der Kirche beten.

    Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.

    Du kannst auch schweigen.

    Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.

    Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.

    Der Weg führt immer zu Gott.

    Geistliches Erbe

    Mit eigenen Worten

    Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

    Wallfahrtsorte

    Neapel, Toulouse und Fossanova

    • Aquino und Roccasecca, Latium, Italien — Heimat der Familie von Aquino; in Roccasecca liegen die Ruinen seiner Geburtsburg.
    • San Domenico Maggiore, Neapel — hier lehrte und betete Thomas. Die Kirche bewahrt das Kruzifix, vor dem er seine mystische Erfahrung machte.
    • Abtei Fossanova, Latium — die Zisterzienserabtei, in der er am 7. März 1274 starb.
    • Jakobinerkirche, Toulouse, Frankreich — hier werden seit 1369 die Reliquien des heiligen Thomas von Aquin bewahrt.
    Neapel, Toulouse und Fossanova
    Der Weg führt zu Gott

    Thomas ist nicht das Ziel.

    Er ist ein Zeuge.

    Er fragte, suchte und kniete nieder. Alles brachte er vor den, der selbst die Wahrheit ist.

    Adoro te devote, um 1264

    Ich glaube alles, was der Sohn Gottes gesagt hat; nichts ist wahrer als das Wort der Wahrheit.

    Aus dem eucharistischen Hymnus, der Thomas zugeschrieben wird und um 1264 entstand