Heiliger Vinzenz von Paul

    Priester, Apostel der Nächstenliebe und Ordensgründer · 1581–1660

    Festtag: 27. September

    Vom Sklaven zum Apostel.

    Liebe zeigt sich im Handeln.

    Bei materieller Not und auf der Suche nach Sinn in der Arbeit.

    Warum du dich an ihn wenden kannst

    Die Armen sind unsere Herren

    Vinzenz von Paul kam nicht als Heiliger zur Welt. Er war ehrgeizig und wollte Karriere machen und Ansehen gewinnen. Zwei Jahre Sklaverei in Tunis veränderten ihn von Grund auf. Er kehrte als ein anderer Mensch zurück. Dann gab er der organisierten Hilfe für die Armen neuen Schwung.

    Er sprach nicht nur von Liebe, er lebte sie. In Krankenhäusern und Waisenhäusern, in Dörfern ohne Priester, auf Galeeren voller Sklaven und bei den Flüchtlingen des Krieges: Vinzenz war dort, wo die Not am grössten war. „Die Armen sind unsere Herren“, sagte er. Das war kein Bild, sondern der Massstab seines Handelns.

    Menschen wenden sich an ihn, wenn sie in materieller Not nicht mehr weiterwissen, wenn sie in ihrer täglichen Arbeit nach Sinn suchen oder im Dienst an anderen selbst erschöpft sind. Vinzenz weiss, was es heisst, mit nichts anzufangen und unermüdlich weiterzumachen.

    Anliegen

    Wann du dich an ihn wenden kannst

    Bring mit, was dir auf dem Herzen liegt.

    Lebensgeschichte

    Leben des Heiligen

    Vinzenz von Paul, Vincent de Paul, wurde am 24. April 1581 im Dorf Pouy in der Gascogne geboren, das heute Saint-Vincent-de-Paul heisst. Er stammte aus einer armen Bauernfamilie. Sein Vater verkaufte zwei Ochsen, um seine Ausbildung zu bezahlen, denn Vinzenz war schon als Kind aussergewöhnlich begabt und ehrgeizig. 1600 wurde er mit neunzehn Jahren zum Priester geweiht. Damals dachte er nicht an die Armen, sondern an seine Laufbahn.

    1605 geriet er auf der Rückreise von Marseille mit dem Schiff in die Hände nordafrikanischer Seeräuber. Sie brachten ihn nach Tunis, wo er nacheinander an drei Herren verkauft wurde. Der letzte war ein vom Glauben abgefallener ehemaliger Franziskaner, der zum Islam übergetreten war. Vinzenz blieb bei ihm und sprach mit ihm über den Glauben. Der Mann besann sich auf das Christentum, liess ihn frei und floh mit ihm nach Frankreich. Die Gefangenschaft hatte zwei Jahre gedauert. Vinzenz kehrte verändert zurück: Nun wusste er, wie es war, alles zu verlieren.

    In Paris wurde er Hauskaplan der angesehenen Familie Gondi und hatte damit eine sichere Stellung. Doch er verliess den Dienst bei der Familie und ging als Pfarrer nach Châtillon-sur-Chalaronne. Dort berichtete er 1617 von der Kanzel von einer Familie, deren Mitglieder alle mit Fieber darniederlagen, ohne Nahrung und ohne jemanden, der sich um sie kümmerte. Noch am selben Nachmittag brachten so viele Dorfbewohner Lebensmittel, dass vor dem Haus ein Durcheinander entstand. Das Essen verdarb, und am nächsten Tag waren die Kranken wieder allein. Vinzenz erkannte: Guter Wille allein genügt nicht. Auch die Hilfe muss organisiert sein. Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt.

    Noch im selben Jahr gründete er die Bruderschaft der Nächstenliebe, die Confrérie de la Charité. Frauen aus der Pfarrei wechselten sich nach einem festen Tagesplan ab, um Kranke und Arme zu besuchen. Rund fünfzig Frauen meldeten sich sofort, Adlige ebenso wie Bäuerinnen. Damit begann sein bleibendes Werk der organisierten Hilfe für die Armen. 1625 gründete Vinzenz die Kongregation der Mission, auch Vinzentiner oder Lazaristen genannt. Die Priestergemeinschaft hielt Missionen in Dörfern, die seit Jahren ohne Priester und ohne jede geistliche Betreuung waren.

    Wunder und Zeichen

    Zeugnisse des Vertrauens

    Aus den Unterlagen des Heiligsprechungsverfahrens und der Überlieferung der vinzentinischen Familie.

    Liebe, die organisiert hilft – ein bleibendes Werk

    Paris und Frankreich, 1617–1660

    Liebe, die organisiert hilft – ein bleibendes Werk

    Vinzenz von Paul war weniger ein Mann einzelner Wunder als ein Mann der beharrlich organisierten Nächstenliebe. In Châtillon brachte er 1617 an einem einzigen Nachmittag das ganze Dorf dazu, einer Familie zu helfen. Daraus erwuchs eine Bewegung, die nicht mehr zum Stillstand kam: die Bruderschaft der Nächstenliebe, die Kongregation der Mission, die Töchter der christlichen Liebe, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Hilfe für Kriegsflüchtlinge. Die Kirche erkennt darin ein Wunder, das der christlichen Nächstenliebe auf neue und bleibende Weise Gestalt gab.

    Das Wunder zur Heiligsprechung: die Heilung der Benediktinerin Marie-Thérèse de Saint-Basile

    Montmirail, Frankreich

    Das Wunder zur Heiligsprechung: die Heilung der Benediktinerin Marie-Thérèse de Saint-Basile

    Für die Heiligsprechung von Vinzenz von Paul erkannte die Kirche die Heilung der Benediktinerin Marie-Thérèse de Saint-Basile aus Montmirail an. Sie hatte an Geschwüren, Wassersucht und Lähmungen gelitten. Nachdem sie um die Fürsprache von Vinzenz gebetet hatte, wurde sie vollständig geheilt. Die Heilung wurde kirchlich und medizinisch untersucht und im Verfahren als Wunder anerkannt. Dieses Verfahren führte am 16. Juni 1737 unter Papst Clemens XII. zur Heiligsprechung von Vinzenz.

    Ein friedlicher Tod – das Zeugnis seiner Mitbrüder

    Paris, 27. September 1660

    Ein friedlicher Tod – das Zeugnis seiner Mitbrüder

    Der Generalvikar de la Fosse bezeugt, dass Vinzenz in einem Sessel sitzend starb, still und friedlich, ohne sichtbaren Todeskampf, obwohl die langen Jahre der Krankheit und Arbeit ihn körperlich erschöpft hatten. Seine letzte Geste war eine segnende Handbewegung zu den Mitbrüdern, die im Zimmer bei ihm waren. Die behandelnden Ärzte beschrieben diesen Tod als medizinische Anomalie bei einem Menschen, dessen Körper jahrelang so schwer belastet gewesen war.

    Schutz und Fürsprache

    Patronate

    In der kirchlichen Überlieferung

    • Alle karitativen Organisationen (seit 1885)
    • Krankenhauspersonal und Krankenpflege
    • Gefangene und Galeerensklaven
    • Arme und verlassene Menschen
    • Ehrenamtliche und die soziale Arbeit
    • Kongregation der Mission (Vinzentiner)
    • Töchter der christlichen Liebe (Barmherzige Schwestern)
    Gebet

    Beten mit dem heiligen Vinzenz von Paul

    Du kannst mit den Worten der Kirche beten.

    Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.

    Du kannst auch schweigen.

    Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.

    Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.

    Der Weg führt immer zu Gott.

    Geistliches Erbe

    Mit eigenen Worten

    Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

    Wallfahrtsorte

    Paris: Rue du Bac und Saint-Lazare

    • Kapelle Unserer Lieben Frau von der Wundertätigen Medaille, 140 Rue du Bac, Paris — Sitz der Töchter der christlichen Liebe. Die Reliquien Katharinas sind in der Kapelle zur Verehrung aufgebahrt.
    • Kirche Saint-Vincent-de-Paul, Paris (Place Franz-Liszt) — eine Vinzenz geweihte Kirche in Paris.
    • Pouy (Saint-Vincent-de-Paul), Gascogne — sein Geburtsdorf mit Museum und Kirche.
    • Châtillon-sur-Chalaronne — Ort der ersten Bruderschaft der Nächstenliebe von 1617.
    Paris: Rue du Bac und Saint-Lazare
    Der Weg führt zu Gott

    Vinzenz ist nicht das Ziel.

    Er begleitet Menschen, die keinen Ausweg sehen.

    Sein Leben weist auf Jesus Christus hin, der gesagt hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

    Und mit Christus führt der Weg im Heiligen Geist zum Vater.

    Kongregation der Mission, überliefertes Wort

    „Die Armen sind unsere Herren.“

    Der Grundgedanke des Apostels der Nächstenliebe.