Eltern Mariens und Grosseltern Jesu · 1. Jahrhundert v. Chr.
Festtag: 26. Juli
Zwanzig Jahre haben sie gewartet.
Sie empfingen mehr, als sie erbeten hatten.
Für alle, die noch warten.

Anna und Joachim sind nicht durch Wunder zu Heiligen geworden. Sie waren ein Ehepaar, das zwanzig Jahre auf ein Kind wartete und kinderlos blieb – in einer Kultur, in der Kinderlosigkeit als öffentliche Schande galt.
Joachim ging in die Wüste. Anna blieb allein zurück. Beide beteten. Und ihnen wurde nicht nur ein Kind geschenkt, sondern Maria. Mehr, als sie sich hätten vorstellen können.
An sie wenden sich Menschen, die auf ein Kind hoffen, Ehepaare, die gemeinsam Schweres tragen, Eltern und Grosseltern, die für ihre Familie beten, und alle, die wissen, wie es ist, auf Gott zu warten und keine Antwort zu hören.
Wähle dein Anliegen. Nimm dir Zeit für das Gebet.
Über Anna und Joachim gibt es keine historischen Quellen. Ihre Namen und ihre Geschichte sind allein im Protoevangelium des Jakobus überliefert, einem apokryphen Text aus dem 2. Jahrhundert, der Eingang in die christliche Überlieferung fand und die Frömmigkeit über Jahrhunderte prägte. Die Tradition verortet sie in Jerusalem oder Galiläa, in einer frommen jüdischen Familie. Anna (hebräisch Ḥannah, „Gnade“) und Joachim (hebräisch Yehoyaqim, „Gott wird aufrichten“) waren der Überlieferung nach ein frommes Ehepaar, das betete und fastete.
Nach dem Protoevangelium waren Anna und Joachim zwanzig Jahre lang kinderlos. Im damaligen Israel wurde Kinderlosigkeit als Strafe Gottes verstanden und bedeutete öffentliche Schande. Als Joachim einmal im Tempel ein Opfer darbringen wollte, wies ihn der Priester zurück: Ohne Nachkommen habe er kein Recht, eine Gabe darzubringen. Tief getroffen zog Joachim in die Wüste, um dort vierzig Tage und Nächte zu fasten und zu beten. Anna blieb zu Hause, allein mit ihrer Trauer und ihrer Scham.
Während Anna in ihrem Garten weinte, erschien ihr ein Engel: „Anna, Anna, der Herr hat dein Gebet gehört. Du wirst empfangen und ein Kind zur Welt bringen, und auf der ganzen Welt wird man von deinem Kind sprechen.“ Derselbe Engel ging mit dieser Botschaft auch zu Joachim in die Wüste. Beide eilten nach Jerusalem und begegneten einander am Goldenen Tor. Diese Begegnung, die Umarmung von Anna und Joachim, wurde zu einem der bekanntesten Motive der christlichen Bildkunst: ein Bild für Gottes Antwort auf das Gebet und auf ein Warten voller Sorge.
Ihnen wurde eine Tochter geboren: Maria. Anna und Joachim erfüllten ihr Gelübde. Als Maria drei Jahre alt war, brachten sie sie in den Tempel von Jerusalem und weihten sie Gott. Nach der Überlieferung blieb Maria im Tempel und wurde in einer Gemeinschaft von Frauen erzogen, die am Heiligtum dienten. Den apokryphen Texten zufolge starben Anna und Joachim friedlich, bevor sie die Verkündigung und die Geburt Christi erleben konnten. Doch ihr Geschenk blieb: Sie hatten der Kirche die Mutter Jesu geschenkt.
Die Verehrung von Anna und Joachim wuchs über die Jahrhunderte. Anna wird im Osten schon lange verehrt: Ihr Fest wird dort seit dem 6. Jahrhundert gefeiert, im Westen seit dem 8. Jahrhundert. Auf die Aufnahme in den römischen Kalender musste Joachim im lateinischen Westen länger warten; sie erfolgte 1584. Der gemeinsame Gedenktag mit Anna am 26. Juli wurde bei der Kalenderreform von 1969 eingeführt. Die Basilika Sainte-Anne-d’Auray in der Bretagne, wo Anna 1624 erschien, gehört zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten Europas.

Bretagne, Frankreich, seit 1625
1624 erschien die heilige Anna dem bretonischen Bauern Yvon Nicolazic und zeigte ihm, wo eine alte Statue vergraben war. An dieser Stelle entstand ein Heiligtum, das zu einem der grössten Wallfahrtsorte Europas wurde. Seit 1625 sind zahlreiche Heilungen von Blindheit, Lähmungen und schweren Krankheiten überliefert, die von kirchlichen Kommissionen untersucht wurden. Etwa 800’000 Pilger kommen jährlich zu diesem Heiligtum.

Jerusalem, seit dem 5. Jahrhundert
Die Annakirche in Jerusalem steht am Ort, an dem sich nach der Überlieferung das Geburtshaus der Eltern Mariens befand. Sie gehört zu den am besten erhaltenen frühchristlichen Heiligtümern im Heiligen Land. Seit dem 5. Jahrhundert suchten Pilger dort die Fürsprache der heiligen Anna, besonders Paare, die auf ein Kind hofften, und Mütter mit kranken Kindern. Aus der Kreuzfahrerzeit sind Berichte über Heilungen und erhörte Gebete überliefert. Die Kirche gehört Frankreich und wird von den Weissen Vätern, den Missionaren Afrikas, betreut. Sie ist bis heute ein lebendiger Wallfahrtsort.

Québec, Kanada, 1658
1658 legte der gehbehinderte Maurer Louis Guimont, der an einer schweren Gelenkerkrankung litt, drei Steine in das Fundament einer Kapelle zu Ehren der heiligen Anna in Beaupré. Den Aufzeichnungen zufolge wurde er an Ort und Stelle geheilt. Dieses Ereignis markiert den Beginn des Heiligtums Sainte-Anne-de-Beaupré, das heute mit mehr als einer Million Pilgern jährlich zu den grössten Wallfahrtsorten Nordamerikas gehört. Das Heiligtum bewahrt ein Stück von Annas Unterarm auf, das Papst Leo XIII. 1892 schenkte, sowie eine weitere grosse Unterarmreliquie, die Papst Johannes XXIII. 1960 übergab.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Die Heiligen nehmen nicht Gottes Platz ein.
Sie begleiten dich mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Sie sind Zeugen.
Gott schenkte ihnen mehr, als sie sich vorgestellt hatten, und wies sie auf den Sohn hin.
Und mit Christus führen sie uns im Heiligen Geist zum Vater.
„An der Frucht des Weinstocks sieht man den Baum nicht, doch ohne den Baum gibt es keine Frucht.“
Über die Eltern Mariens