Gründer des Franziskanerordens, Diakon · 1181/82–1226
Festtag: 4. Oktober
Ein Armer, der alles gefunden hat.
Für Menschen, die loslassen möchten.
Für Menschen, die alles haben und sich dennoch leer fühlen.

Franziskus war der Sohn eines reichen Kaufmanns. Er gab alles her und fand mehr, als er je besessen hatte. Er war kein Mystiker, der von Kindheit an ein frommes Leben geführt hatte. Er war bei den Festen seiner Stadt immer vorne mit dabei, bis er eines Tages nackt vor der ganzen Stadt stand und darin Freiheit fand.
Er umarmte einen Aussätzigen, dem er sein Leben lang aus dem Weg gegangen war. Seinem Vater gab er alles zurück, selbst die Kleider, die er am Leib trug. Es war keine Inszenierung. Nach und nach liess er los, was ihn gebunden hatte, und merkte jedes Mal, dass seine Last leichter wurde.
An ihn wenden sich Menschen, die finanziell am Abgrund stehen, unter Einsamkeit leiden oder Orientierung suchen. Auch Menschen, die zu viel mit sich tragen: zu viel Geld, zu viele Sorgen oder die ständige Beschäftigung mit sich selbst. Sie sehnen sich nach der Freiheit, loszulassen.
Wähle dein Anliegen. Nimm dir Zeit für das Gebet.
Franziskus wurde 1181 oder 1182 als Giovanni Pietro di Bernardone in Assisi geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Tuchhändler. Er wuchs im Überfluss auf, mit kostbaren Kleidern, Festmählern und der Aussicht auf ritterlichen Ruhm. Bei den Festen war er immer vorne mit dabei und träumte davon, sich im Krieg auszuzeichnen. Er hatte alles, was man sich wünschen konnte. Und doch blieb in ihm eine Leere, für die er noch keinen Namen hatte.
Die Gefangenschaft vertiefte diese Leere. 1202 geriet Franziskus im Krieg gegen Perugia in Gefangenschaft. Ein Jahr verbrachte er hinter Gittern und wurde krank. In dieser Stille begann der Panzer seiner Illusionen zu bröckeln: die Vorstellung, Ruhm könne sein Leben erfüllen. Nach seiner Freilassung rüstete er sich noch einmal für einen Ritterzug nach Apulien. Doch in Spoleto hielten ihn ein Traum und eine innere Stimme zurück: Wem zu dienen ist besser: dem Herrn oder dem Knecht? Er kehrte heim, ohne Ehrentitel und ohne Erklärung. Seine Freunde hielten ihn für verrückt. Zum ersten Mal versuchte er nicht mehr, seine Leere mit den falschen Dingen zu füllen.
In den Jahren nach Spoleto lebte er zwischen zwei Welten. Der Traum vom Ritterleben hatte seine Kraft verloren, doch Franziskus wusste noch nicht, wohin sein Weg führen sollte. Er suchte die Einsamkeit, betete in verlassenen Kirchen und diente den Aussätzigen, denen er zuvor aus dem Weg gegangen war. In ihm klärte sich allmählich etwas, auch wenn ihm das Ziel noch verborgen blieb.
Die entscheidende Wende kam durch zwei Begegnungen an einem Tag. Auf der Strasse begegnete er einem Aussätzigen, dem er bisher immer aus dem Weg gegangen war. Diesmal stieg er vom Pferd und umarmte ihn. Später schrieb er selbst: Was mir bitter erschien, wurde mir zur Süssigkeit für Seele und Leib. Der Ekel, der ihn bisher auf Abstand zum Elend anderer gehalten hatte, verlor seine Macht. Danach kniete er in der verfallenen Kirche San Damiano. Vom Kreuz her hörte er die Worte: Franziskus, stelle meine Kirche wieder her, die, wie du siehst, ganz verfallen ist. Er begann, Steine zu sammeln, und nahm den Auftrag zunächst ganz wörtlich. Seinen tieferen Sinn verstand er erst Jahre später. Als er Geld für die Steine brauchte, nahm er ohne zu fragen einen Ballen Stoff seines Vaters und verkaufte ihn auf dem Markt. Pietro di Bernardone erfuhr nach seiner Rückkehr von einer Reise davon und zog seinen Sohn vor den Bischof. Vor der ganzen Stadt sollte über ihn gerichtet werden.
Franziskus gab alles zurück: das Geld, seine Kleidung, selbst das Recht auf den Familiennamen. Nackt stand er vor ganz Assisi und sagte: Von nun an will ich nur noch sagen: Vater unser im Himmel. Der Bischof hüllte ihn in seinen Mantel. Ohne Erbe, ohne Zuhause und ohne Schutz war er freier als je zuvor. Was er seit seiner Kindheit gesucht hatte, ohne es zu wissen, fand er im Augenblick, in dem er am wenigsten besass.
Er suchte keine Anhänger. Doch dieser Mensch, der nackt dastand und ruhiger war als alle um ihn herum, zog andere an. Es lag nicht an einer Predigt, sondern daran, wie er da war.
Diese Freiheit teilte sich anderen mit. Die ersten Brüder kamen zu ihm. 1209 gingen sie nach Rom, etwa zwölf Männer, mit einer Lebensregel, die Franziskus aus dem Evangelium verfasst hatte. Papst Innozenz III. billigte sie. Der Orden der Minderen Brüder war aus dem Nichts entstanden, denn Franziskus besass nichts ausser seiner Freiheit. Ohne Eigentum und ohne Sicherheiten wuchs die Gemeinschaft aus eben dieser Freiheit bald auf Tausende von Brüdern in ganz Europa an.
Dieselbe Freiheit, die Freiheit eines Menschen, der nichts zu verlieren hat, führte ihn an einen Ort, an dem ihn niemand erwartet hätte.
Auch auf dem Schlachtfeld zeigte sich seine Freiheit darin, dass er keine Waffen trug. 1219, in Ägypten, während des Fünften Kreuzzugs: Während auf beiden Seiten Menschen im Krieg starben, überschritt Franziskus mit Bruder Illuminatus die feindlichen Linien und trat vor Sultan al-Malik al-Kamil. Er trug keine Waffen und hatte keinen diplomatischen Auftrag. Der Sultan empfing ihn, hörte ihm fünf Tage lang zu und liess ihn sicher zurückkehren. Wer nichts zu verlieren hat, hat auch keine Feinde.
Auf einem Berg nahm Gott ihm auch das Letzte, was er noch sein Eigen genannt hatte: seinen Leib. 17. September 1224, La Verna in der Toskana. Vierzig Tage hatte er gefastet und gebetet. Er sah einen Seraph mit der Gestalt des gekreuzigten Christus. An seinen Händen, Füssen und seiner Seite erschienen die Stigmata, die Wundmale Christi. Er war der erste Mensch in der Geschichte, bei dem die Kirche diese Wundmale als glaubwürdig bestätigte. Er versuchte, sie mit Handschuhen und Strümpfen zu verbergen, und bedeckte seine Hände mit den Ärmeln seiner Tuniken. Doch es gelang ihm nicht. Selbst der Schmerz gehörte ihm nun nicht mehr allein.
Seine letzten beiden Lebensjahre waren von Krankheit, beinahe vollständiger Blindheit und schmerzhaften Behandlungen geprägt. Mitten in diesem Leiden diktierte er den Cantico delle Creature, den Sonnengesang: ein Lob auf Bruder Sonne, Schwester Wasser und Bruder Wind, schliesslich auch auf unsere Schwester, den leiblichen Tod. Am 3. Oktober 1226 starb er nackt auf der blossen Erde, während er einen Psalm sang. Er war mit vollen Truhen ins Leben aufgebrochen und verliess es ohne jeden Besitz. Gerade darin hatte er den Sinn seines Lebens gefunden. Schon 1228, zwei Jahre später, wurde er heiliggesprochen.

La Verna, Toskana, 17. September 1224
Vierzig Tage verbrachte Franziskus auf dem Gipfel des Berges La Verna im Fasten und Gebet. In einer Vision sah er einen Seraph mit der Gestalt des gekreuzigten Christus. An seinen Händen, Füssen und seiner Seite erschienen Wunden, die den Leidenswunden Christi genau entsprachen. Es war der erste dokumentierte Fall von Stigmata in der Geschichte der Kirche. Bruder Leo, der bei ihm war, bezeugte sie. Thomas von Celano beschrieb sie in der ersten Lebensgeschichte des Heiligen von 1228; Bonaventura bestätigte sie 1263 in der Legenda maior. Bis zu seinem Tod versuchte Franziskus, die Wunden zu verbergen.

Gubbio, Umbrien, um 1220
In Gubbio lebten die Menschen in Angst vor einem Wolf, der Menschen und Vieh angriff. Franziskus ging allein auf ihn zu, segnete ihn und sagte: Bruder Wolf, Christus gebietet dir, zu mir zu kommen. Der Wolf hielt inne und legte sich vor ihm nieder. Franziskus bot ihm Frieden an: Wenn er verspreche, niemanden mehr anzugreifen, würden die Menschen der Stadt ihn bis an sein Lebensende ernähren. Der Wolf gab ihm die Pfote. Fortan lebte er in der Stadt, liess sich von ihren Bewohnern füttern und starb schliesslich an Altersschwäche. Die Erzählung ist in den Fioretti aufgezeichnet und in der örtlichen Überlieferung erhalten.

Bevagna, Umbrien, 1213
Auf dem Weg zwischen Cannara und Bevagna sah Franziskus einen grossen Schwarm Vögel. Er sagte zu seinen Brüdern: Wartet hier auf mich. Ich will unseren Schwestern, den Vögeln, predigen. Die Vögel flogen nicht davon. Franziskus sprach zu ihnen von Gott, der sie nährt, sie mit Federn kleidet und ihnen die Freiheit des Luftraums schenkt. Zum Schluss segnete er sie. Daraufhin flogen sie in alle vier Himmelsrichtungen auseinander. Thomas von Celano hielt die Begebenheit in seiner ersten Lebensbeschreibung fest. Seither gehört sie zu den bekanntesten Bildern aus dem Leben des Franziskus von Assisi.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Weggefährte.
Sein Leben weist auf Jesus Christus hin.
Und mit Christus führt der Weg im Heiligen Geist zum Vater.
Was mir bitter erschien, wurde mir zur Süssigkeit für Seele und Leib.
Franziskus über seine Begegnung mit dem Aussätzigen und darüber, was jede wirkliche Umkehr ausmacht