Jüngerin Jesu und Apostelin der Apostel · 1. Jahrhundert
Festtag: 22. Juli
Sie liebte viel. Und ihr wurde viel vergeben.
Sie blieb, als alle flohen.
Für alle, die einen neuen Anfang suchen.

Maria Magdalena war nicht von Anfang an eine Heldin. Jesus hatte sie von sieben Dämonen befreit. Von da an veränderte sich alles. Sie folgte ihm durch Galiläa, stand unter seinem Kreuz, als die Apostel geflohen waren, und kam früh am Morgen als Erste mit Salbölen zum Grab.
Vor dem leeren Grab weinte sie. Die Engel fragten sie, warum sie weine. Während sie noch suchte, sprach Jesus ein einziges Wort: „Maria!“ Da erkannte sie ihn. Nicht an seinem Gesicht, sondern an seiner Stimme, daran, wie er ihren Namen aussprach. Sie wurde zu den Aposteln gesandt, um ihnen die Nachricht zu bringen. Die Überlieferung nennt sie die Apostelin der Apostel.
An sie wenden sich Menschen, die nicht wissen, wohin mit ihrer Trauer, die nach einem Scheitern neu anfangen möchten oder sich fragen, ob Gott ihnen vergeben kann, was sie getan haben. Magdalenas Antwort lautet: Er kann. Und er ruft dich.
Wähle das Anliegen, das dich heute bewegt.
Maria stammte aus Magdala, einem kleinen Fischerort am See Gennesaret. Sie hatte eine Vergangenheit. Das Evangelium beschreibt sie nicht. Es sagt nur, dass Jesus sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hatte (Lk 8,2). Doch dieser eine Satz sagt genug. Etwas in ihrem Leben war zerbrochen, und Jesus hatte es berührt. Von da an folgte sie ihm.
Sie gehörte zu den Frauen, die Jesus und die Apostel begleiteten und sie mit ihrem Vermögen unterstützten (Lk 8,3). Die Frau, der viel vergeben worden war, liebte viel. Sie war dabei in Galiläa, in Jerusalem und in Betanien. Ihr Weg führte sie bis nach Golgota. Sie stand unter Jesu Kreuz, während die Apostel auf der Flucht waren. Alle vier Evangelien nennen sie in ihren Berichten über Ostern.
Am Ostermorgen, „als es noch dunkel war“, ging sie zum Grab. Der Stein war weggewälzt. Sofort lief sie zu Petrus und Johannes: „Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen!“ Die beiden eilten zum Grab, gingen hinein, sahen die Leinenbinden und kehrten nach Hause zurück. Magdalena blieb. Allein vor dem Grab, weinend. Sie schaute hinein und sah zwei Engel. Dann wandte sie sich um und sah jemanden, den sie für den Gärtner hielt. Doch dann hörte sie ein einziges Wort, ihren Namen: „Maria!“ Sie erkannte ihn und antwortete: „Rabbuni!“ Jesus sagte zu ihr: „Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ Und sie ging. Sie wurde zur ersten Botin der Auferstehung. Die Kirche nennt sie die Apostelin der Apostel.
Nach der Legende fuhr sie nach Jesu Himmelfahrt nach Gallien, in den Süden des heutigen Frankreichs, und verkündete dort das Evangelium. Die Frau mit einer Vergangenheit wurde für andere zur Botin der Vergebung. Dreissig Jahre lebte sie fastend und betend in der Höhle La Sainte-Baume in der Provence. Ihre Reliquien werden in der Basilika Saint-Maximin-la-Sainte-Baume aufbewahrt. Die Provence verehrt sie als ihre Schutzpatronin.

Marseille und Umgebung, 1. Jahrhundert (Legende)
Nach der Goldenen Legende aus dem 13. Jahrhundert landeten Magdalena, Marta und Lazarus in Marseille und predigten dort. Der Herrscher der Gegend und seine Frau, die kinderlos waren, baten Magdalena um ihr Gebet. Die Frau wurde schwanger. Gemeinsam brachen sie zu einer Pilgerreise nach Jerusalem auf. Auf See starb die Frau jedoch bei der Geburt; das Kind überlebte. Der Herrscher setzte seine Reise fort und lernte zwei Jahre lang bei Petrus. Auf dem Rückweg suchte er die Insel auf, auf der er Frau und Kind zurückgelassen hatte. Das Kind lebte, und auch seine Frau war am Leben: Magdalena hatte sie behütet. Er kehrte nach Marseille zurück und fand Magdalena. Beide Eheleute liessen sich taufen.

Rom, um 30–33 (Überlieferung)
Nach östlicher Überlieferung ging Maria Magdalena nach Rom und verkündete Kaiser Tiberius die Auferstehung Jesu. Sie nahm ein Ei und sagte: „Christus ist auferstanden!“ Tiberius antwortete, ein Mensch könne ebenso wenig auferstehen, wie ein weisses Ei rot werden könne. In diesem Augenblick wurde das Ei in ihren Händen rot. Darauf gehen der orthodoxe Brauch roter Ostereier und der Ostergruss „Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaft auferstanden!“ zurück.

Provence, Südfrankreich (Legende)
Die Überlieferung der Provence erzählt, Maria Magdalena habe den Rest ihres Lebens in der Höhle La Sainte-Baume, der „Heiligen Höhle“, auf einem Berg in der Provence verbracht. Dreissig Jahre lebte sie dort in Fasten, Gebet und Betrachtung. Täglich trugen Engel sie in die Höhe. Von dieser Erfahrung genährt, kehrte sie zurück, ohne irdische Nahrung zu brauchen. In ihren letzten Tagen besuchte der heilige Maximin sie in der Höhle, reichte ihr die Kommunion und wurde Zeuge ihres friedlichen Todes. Die Höhle ist bis heute ein Wallfahrtsort. Ihre Reliquien werden in der Basilika Saint-Maximin-la-Sainte-Baume aufbewahrt.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Die Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Sie begleitet dich mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Sie ist eine Zeugin.
Ihr Leben weist auf Jesus Christus hin.
Er ruft jeden Menschen beim Namen.
„Ich habe den Herrn gesehen!“
Die erste Botin der Auferstehung.