Bruder Klaus, Einsiedler, Mystiker und Schutzpatron der Schweiz · 1417–1487
Festtag: 25. September
Vater von zehn Kindern. Einsiedler.
Neunzehn Jahre lang lebte er allein von Gott.
Für Menschen, die nicht wissen, wohin ihr Weg führt.

Bruder Klaus war Bauer in der Schweiz, Vater von zehn Kindern und Richter in seiner Heimat. Seine Nachbarn achteten ihn. Doch seit seiner Kindheit spürte er, dass Gott ihn noch zu etwas anderem rief. Mit fünfzig Jahren sagte er seiner Frau, dass er gehen müsse. Sie antwortete nur: „Ich habe dich Gott gegeben.“
Er floh nicht. Er blieb in der Nähe und zog sich doch in die Stille zurück. Er konnte seine Kinder hören und war für sie erreichbar. Neunzehn Jahre lang, bis zu seinem Tod, lebte er in seiner Klause. Seine einzige Nahrung war die Eucharistie, die er einmal im Monat empfing.
An ihn kannst du dich wenden, wenn du nicht weisst, wohin dein Weg führt. Wenn eine innere Stimme dich in eine Richtung zieht, die du noch nicht verstehst. Wenn du glaubst, ohne zu sehen. Bruder Klaus kannte dieses Warten aus eigener Erfahrung, über viele Jahre. Er weiss, dass Gott den trägt, der bei ihm bleibt.
Wähle das Anliegen, das dich heute bewegt.
Bruder Klaus wurde am 21. März 1417 in Flüeli im Schweizer Kanton Obwalden geboren. Er wuchs in einer gläubigen Bauernfamilie auf, in einer Landschaft, die von Bergen und Stille geprägt war. Als junger Mann trat er in den Kriegsdienst und nahm an mehreren Feldzügen teil. Doch seit seiner Kindheit begleitete ihn etwas, für das er keine Worte fand: eine innere Unruhe, Visionen und das Gefühl, zu einem anderen Leben gerufen zu sein.
1445 heiratete er Dorothea Wyss. Sie war eine gute, ruhige und treue Frau, stark genug, auch das mitzutragen, was noch kommen sollte. Gemeinsam bekamen sie zehn Kinder. Klaus arbeitete als Bauer und Richter und war in seiner Gemeinde angesehen. Zwanzig Jahre lang bauten sie gemeinsam ihre Familie, ihr Haus und ihr Leben auf – all das, was langsam und mit Liebe wächst. Die innere Stimme begleitete ihn während dieser ganzen Zeit, ohne dass er darüber sprach.
In der Nacht des 16. Oktober 1467, mit fünfzig Jahren, sagte er Dorothea, dass er gehen müsse. Es gab keinen Streit, aber auch keine Erklärung, die alles hätte verständlich machen können. Sie sagte nur: „Ich habe dich Gott gegeben.“ Diese wenigen Worte einer Frau, die mit zehn Kindern zurückblieb und ihren Mann gehen liess, gehören zu den eindrücklichsten Augenblicken dieser Lebensgeschichte. Klaus brach auf, blieb aber schliesslich in der Nähe. Im Ranft, einem Tal etwa einen Kilometer von seinem Haus entfernt, fand er seinen Platz. Dort blieb er neunzehn Jahre.
Nachbarn bauten ihm eine Klause und eine kleine Kapelle. Er lebte ohne Nahrung; nur die Eucharistie empfing er einmal im Monat. 1469 wurde im Auftrag des Bischofs von Konstanz eine Untersuchung durchgeführt. Ärzte, Zeugen und Beobachter sollten klären, ob er tatsächlich nichts ass. Sie bestätigten seine Nahrungslosigkeit. Bruder Klaus gab keine langen Erklärungen. Er sagte einfach: „Gott ernährt mich.“ Seine Kinder besuchten ihn. Dorothea lebte einen Kilometer entfernt.
Im Dezember 1481 drohte die Schweizer Eidgenossenschaft auseinanderzubrechen. Auf der Tagsatzung in Stans konnten sich die verbündeten Orte nicht einigen. Der Priester Heimo am Grund ging in den Ranft und bat Bruder Klaus um Rat. Klaus gab ihm eine kurze Botschaft mit. Heimo kehrte zurück und las sie den Abgesandten vor. Innerhalb einer Stunde kam eine Einigung zustande. Die Eidgenossenschaft blieb bestehen. Bruder Klaus hatte den Ranft dafür nicht verlassen.
Er starb am 21. März 1487, seinem siebzigsten Geburtstag. Dorothea überlebte ihn. 1649 wurde er seliggesprochen und 1947 von Papst Pius XII. als Schutzpatron der Schweiz heiliggesprochen. Die Menschen nannten ihn seit jeher einfach Bruder Klaus. Er war für sie ein Bruder, auch als sie ihn längst als Heiligen verehrten.

Ranft, Obwalden
Heinrich Wölflin, ein Gelehrter aus Bern, berichtet in Abschnitt 37 von einem Mann aus dem Bernerland, der an starken Schmerzen in einem Bein litt. Er hatte gelobt, Unserer Lieben Frau im Ranft ein Bein aus Wachs zu opfern. Als es ihm besser ging, löste er sein Versprechen nicht ein. Die Schmerzen kehrten zurück und wurden stärker. Daraufhin ging er in den Ranft, legte seine Votivgabe auf den Altar und bat Bruder Klaus, für ihn zu beten. Auf dessen Gebet hin wurde er geheilt. Das geschah zu Klaus’ Lebzeiten, nicht an seinem Grab. Das Sachsler Kirchenbuch nennt den Zeugen Ammann Brändli aus Unterseen. Wölflin nahm den Bericht in die Biografie auf, die er im Auftrag des Kantons Obwalden verfasste.

Sachseln, Obwalden
In Abschnitt 43 erzählt Wölflin von einem Fischer aus Dänemark. Er war nach Santiago de Compostela gepilgert und hatte dort um Heilung von seiner Lähmung gebetet. Die erhoffte Heilung blieb aus. Auf dem Rückweg hörte er vom Grab Bruder Klaus’ in Sachseln und machte einen Umweg dorthin. Er betete am Grab und wurde geheilt. Wölflin hielt den Fall als eines der eindrücklichsten Geschehnisse fest: Ein Mann war vergeblich durch halb Europa gereist und fand schliesslich in einem Schweizer Dorf Heilung.

Sachseln, Obwalden
Im Anschluss an die Schilderung von Klaus’ Tod führt Wölflin einundzwanzig Heilungsberichte an. Er stützt sich dabei auf das Sachsler Kirchenbuch. Dazu gehört auch der bereits erwähnte dänische Fischer. Die Aufzeichnungen beschreiben Krankheiten und Umstände und nennen häufig die Namen der Betroffenen; manche fassen auch die Erfahrungen mehrerer ungenannter Menschen zusammen. Fieber, Blindheit, Verletzungen und schwere seelische Leiden führten Pilger aus der Schweiz und den benachbarten Gegenden nach Sachseln. Wölflin betont, dass Gott die Menschen auch nach Klaus’ Tod auf dessen Fürsprache durch viele und unterschiedliche Wunder weiter tröste. Der Kanton Obwalden gab die Biografie um 1493 in Auftrag; 1501 schloss Wölflin sie ab.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Zeuge.
Die drei Bitten seines Gebets – nimm, gib, nimm mich – weisen über ihn hinaus.
Auf Christus, der uns in jeder Entscheidung, jeder Stille und jedem Verlust trägt.
„Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir.“
Bruder Klaus