Ordensfrau, Apostelin der Armen und Ordensgründerin · 1910–1997
Festtag: 5. September
Sie glaubte, auch wenn sie Gottes Nähe nicht spürte.
Kleine Dinge mit grosser Liebe.
Für Menschen, die sich im Geist und im Herzen arm fühlen.

Mutter Teresa war keine Heilige, die sich von der Welt zurückzog. Sie ging mit fünf Rupien auf die Strassen von Kalkutta und fing an. In jedem sterbenden Menschen, in jedem vergessenen Gesicht sah sie Christus.
Menschen wenden sich an sie, wenn sie sich klein fühlen, wenn sie sich fragen, ob ihr Tun überhaupt einen Sinn hat, oder wenn sie beten und keine Antwort hören. Sie selbst betete fünfzig Jahre lang in geistlicher Dunkelheit. Und sie hörte nicht auf.
Wende dich nicht an sie, weil sie vollkommen war. Wende dich an sie, weil sie wusste, wie es ist, im Dunkeln zu stehen und dennoch zu bleiben.
Du musst deine Last nicht allein tragen.
Anjezë Gonxhe Bojaxhiu wurde am 26. August 1910 in Skopje in eine albanische katholische Familie geboren. Als sie acht Jahre alt war, starb ihr Vater. Ihre Mutter übernahm die Erziehung. Sie gab den Glauben weniger durch Unterweisung weiter als durch den Alltag: Armen zu helfen war selbstverständlich. Mit achtzehn Jahren verliess Anjezë ihr Elternhaus und kehrte nie wieder in ihre Heimatregion zurück.
Im September 1928 trat sie in Irland in die Gemeinschaft der Loreto-Schwestern ein. Im Januar 1929 kam sie nach Indien und lernte Bengalisch. Von 1931 an unterrichtete sie an der St.-Mary’s-Schule in Kalkutta Mädchen, deren Familien das Schulgeld aufbringen konnten. Hinter den sicheren Klostermauern lebte sie mit einem Widerspruch, den sie jahrelang still mit sich trug: Sie unterrichtete Kinder über die Welt, während vor den Fenstern eine andere Welt im Sterben lag, der sie sich nicht zuwenden durfte.
Den 10. September 1946 begehen die Missionarinnen der Nächstenliebe als Tag der Inspiration. Auf der Zugfahrt nach Darjeeling hörte Teresa eine Stimme, für die sie keine Erklärung hatte. Sie nannte es einen Ruf innerhalb ihrer Berufung: Loreto verlassen, auf die Strassen gehen und Christus zu den Ärmsten bringen. Am 17. August 1948 verliess sie das Kloster allein, mit fünf Rupien und einem weissen Sari mit blauem Saum. Sie war siebenunddreissig Jahre alt, wenige Tage vor ihrem achtunddreissigsten Geburtstag.
In den ersten Jahren auf der Strasse hatte sie nichts. Ihre erste Schule eröffnete sie im Armenviertel Moti Jihl unter freiem Himmel, ohne Klassenzimmer und ohne Schulbücher. Die Buchstaben schrieb sie mit einem Stock in den Staub. Ihre früheren Mitschwestern von Loreto begegneten ihr mit Unverständnis, ihre Freunde schwiegen. Sie war allein und wich dieser Einsamkeit nicht aus. Sie sagte: Alles, was ich brauche, wird Gott mir geben.
Am 7. Oktober 1950 erhielt die neue Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe die kirchliche Anerkennung. Ihr einziger Zweck war der unentgeltliche Dienst an den Ärmsten der Armen. 1952 eröffnete Teresa Nirmal Hriday, das Haus des reinen Herzens. Es nahm Menschen auf, die auf der Strasse im Sterben lagen, damit niemand vergessen sterben musste. Es begann mit einem einzigen Raum nahe dem Kali-Tempel. Bis 1965 hatte die Gemeinschaft die päpstliche Anerkennung erhalten und sich über Indien hinaus ausgebreitet.
Erst nach ihrem Tod wurde durch private Briefe eine Seite ihres geistlichen Lebens bekannt, von der die Öffentlichkeit nichts gewusst hatte: Fast fünf Jahrzehnte lebte sie in einer tiefen dunklen Nacht des Glaubens. Ihren Beichtvätern schrieb sie, dass sie Gott nicht spüre, dass ihr Gebet leer und der Himmel stumm sei. Und doch begegnete sie den Menschen auf der Strasse Tag für Tag mit demselben Lächeln, derselben Hingabe und derselben Nähe zu den Sterbenden. Das Buch Come Be My Light veröffentlichte diese Briefe 2007 und veränderte das Bild von ihr. Der Glaube fiel ihr nicht leicht. Sie blieb treu, ohne Trost und ohne Gottes Nähe zu spüren, bis zuletzt.
Den Friedensnobelpreis von 1979 nutzte sie für die Ärmsten. Bei der Preisverleihung bat sie die Organisatoren, das Festessen abzusagen und das Geld stattdessen den Armen zu geben. Ihrer Bitte wurde entsprochen. In ihrer Rede sprach sie neben der materiellen Armut auch von der Armut der Einsamkeit und dem Verlust von Sinn in wohlhabenden Gesellschaften. Präsident Reagan verlieh ihr 1985 die Freiheitsmedaille des Präsidenten. Am 5. September 1997 starb sie in Kalkutta im Kreis ihrer Schwestern. Damals führten die Missionarinnen der Nächstenliebe mehr als 600 Missionen in 123 Ländern. Johannes Paul II. sprach sie 2003 selig, Papst Franziskus am 4. September 2016 heilig.
Zwei in den Selig- und Heiligsprechungsverfahren anerkannte Heilungen sowie Zeugnisse aus ihrem Leben und Wirken.

Kalkutta, Indien, 1998
Die Inderin Monica Besra litt an einer Zyste im Bauchraum und an tuberkulöser Hirnhautentzündung. Die Ärzte hielten sie für unheilbar. Am 5. September 1998, dem Jahrestag von Teresas Tod, legten ihr die Schwestern ein Medaillon mit dem Bild Mutter Teresas auf den Bauch. In diesem Augenblick spürte sie Wärme, und die Schmerzen verschwanden. Bei der Untersuchung am nächsten Tag war kein Tumor mehr festzustellen. Die vatikanische Ärztekommission bestätigte die Heilung als medizinisch nicht erklärbar. Dieses Wunder war die Grundlage für Teresas Seligsprechung am 19. Oktober 2003.

Santos, Brasilien, 2008
Der junge Brasilianer Marcilio Andrino fiel wegen mehrerer Hirnabszesse ins Koma. Die Ärzte machten keine Hoffnung mehr. Seine Frau Fernanda organisierte eine Gebetswache und bat Mutter Teresa um ihre Fürsprache. Am 9. Dezember 2008 erwachte Marcilio aus dem Koma. Die folgenden Untersuchungen zeigten, dass die Abszesse zurückgingen; nach einigen Tagen waren sie vollständig verschwunden. Die vatikanische Kommission erkannte den Fall als Wunder für das Heiligsprechungsverfahren an. Er ermöglichte die Heiligsprechung am 4. September 2016.

Kalkutta / London, 1969–1982
Malcolm Muggeridge war ein britischer Journalist und Intellektueller, der für seine ausgeprägte Skepsis gegenüber dem Glauben bekannt war. 1969 kam er mit einem BBC-Team nach Kalkutta, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Was er dort sah, erschütterte seine bisherigen Vorstellungen davon, was vernünftig sei: Teresa und ihre Schwestern wuschen in Nirmal Hriday sterbende Menschen, ohne zu zögern. Er schrieb: „Es ist unmöglich, mit ihr zusammen zu sein, ihr zuzuhören und zu sehen, was sie tut, ohne sich ein Stück weit zu bekehren.“ Sein Buch Something Beautiful for God von 1971 machte Mutter Teresa weltweit bekannt. Dreizehn Jahre lang trug er diese Begegnung in sich. Im November 1982 empfing er mit 79 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Kitty die Taufe und trat in die katholische Kirche ein. Er sagte: „Es war, als käme ich nach Hause, als fände ich den verlorenen Faden meines Lebens wieder.“
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Die Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Sie begleitet dich mit ihrem Gebet und ihrer Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Sie geht mit uns.
Ihr Lächeln war kein Ausdruck von Glück, sondern eine Entscheidung. Fünfzig Jahre Dunkelheit, fünfzig Jahre Liebe.
Und mit Christus führt der Weg im Heiligen Geist zum Vater.
„Nicht alle von uns sind zu grossen Taten berufen. Aber wir können kleine Dinge mit grosser Liebe tun.“
Der Grundsatz ihres Apostolats.