Apostel Irlands, Bischof · um 385–461
Festtag: 17. März
Ein Zeuge der Freiheit, der selbst Sklave war.
Für alle, die einen Ruf hören und den Aufbruch fürchten.
Apostel des Volkes, das ihn gefangen hielt.

Patrick kannte die Angst. Und doch liess er sich auf den Weg ein, zu dem er gerufen war. Er war ein Sklave gewesen und kehrte freiwillig in das Land seiner Gefangenschaft zurück. Er hörte einen Ruf und folgte ihm, ohne Gewissheit über den Ausgang und ohne zu wissen, wie der Weg verlaufen würde.
Sein Gebet half ihm, sich der Wirklichkeit zu stellen. Die Lorica, die ihm zugeschrieben wird, ist ein Gebet um Schutz: Christus vor mir, Christus hinter mir, Christus an meiner Seite. Patrick betete mitten in seiner Angst. Er suchte darin keinen Rückzug aus dem Leben, sondern eine Rüstung, um ihm zu begegnen.
Du kannst dich an ihn wenden, wenn dich etwas festhält: Angst, Ungewissheit oder ein Ruf, vor dem du zurückschreckst. Er weiss aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt. Und er weiss, dass Gott die trägt, die aufbrechen.
Du darfst mit deinen Sorgen vor Gott kommen.
Patrick wurde um 385 in einer römisch geprägten Familie in Britannien geboren. Sein Vater Calpurnius war Diakon und Stadtrat, sein Grossvater Priester. Das Christentum gehörte zum Leben der Familie, doch für Patrick war es noch kein eigener, gelebter Glaube. Später schrieb er selbst, dass er als Kind nicht aus dem Glauben gelebt hatte.
Als er sechzehn Jahre alt war, änderte sich sein Leben. Irische Seeräuber überfielen die Küste, entführten ihn und verschleppten ihn als Sklaven in den Nordwesten Irlands, vermutlich in die Provinz Connacht. Dort hütete er das Vieh, allein auf einem Hügel, in der Kälte. In der Stille seiner Gefangenschaft wurde der überlieferte Glaube zu seinem eigenen. „Damals weckte mich der Herr aus dem Schlaf meiner Torheit“, schrieb er in seiner Confessio. Er betete hundertmal am Tag, getrieben vom Hunger nach Gott, nicht von blosser Disziplin.
Nach sechs Jahren hörte er im Traum eine Stimme: „Dein Schiff wartet auf dich.“ Er ging zweihundert Meilen bis zur Küste und kehrte nach Britannien heim. Doch damit war sein Weg noch nicht zu Ende. Einige Jahre später sah er in einem weiteren Traum einen Mann namens Victoricus, der ihm Briefe mit der Aufschrift Vox Hiberionacum brachte: „Die Stimme der Iren“. „Wir bitten dich, heiliger junger Mann, komm und geh wieder unter uns.“ Patrick erwachte unter Tränen. Er brach nicht sofort auf. Zunächst verbrachte er Jahre des Studiums in Gallien und wurde zum Diakon, zum Priester und schliesslich zum Bischof geweiht. Erst als er vorbereitet war, machte er sich auf den Weg.
Um 432 kam er nach Irland. Dort gab es bereits christliche Gemeinden. Städte im römischen Sinn kannte das Land jedoch nicht; es war in Stammesgebiete aufgeteilt, und die Druidenpriester spielten im religiösen Leben eine wichtige Rolle. Patrick taufte Menschen, baute Kirchen und gründete Schulen. Am Karsamstag 433 entzündete er auf dem Hügel von Slane ein Osterfeuer, das vom Hof des Hochkönigs in Tara aus zu sehen war. Damit widersetzte er sich unmittelbar dem Gesetz der Druiden, das in dieser Nacht das Entzünden von Feuer verbot. Die Stammesfürsten liessen ihn vor sich rufen. Patrick ging zu ihnen und sprach von Christus.
Der Überlieferung nach erklärte er den Stammesfürsten die heiligste Dreifaltigkeit, indem er auf einer Wiese ein dreiblättriges Kleeblatt pflückte: drei Blättchen, die ein einziges Blatt bilden. Dieses Bild blieb den Iren im Gedächtnis. Während seiner dreissigjährigen Missionstätigkeit bereiste Patrick fast ganz Irland. Er hinterliess Gemeinden, Geistliche und Schulen. Gegen Ende seines Lebens schrieb er sein Bekenntnis, die Confessio. Neben dem Brief an die Soldaten des Coroticus ist sie einer der beiden erhaltenen Texte, die ihm sicher zugeschrieben werden. Sie ist voller Dankbarkeit und stillem Staunen. Patrick verstand nicht, warum Gott gerade ihn erwählt hatte. Dass Gott ihn erwählt hatte, daran zweifelte er nicht.
Patrick starb am 17. März um das Jahr 461 in Saul. Nach der Überlieferung wurde er in Downpatrick bestattet, zusammen mit der heiligen Brigida und dem heiligen Columba: drei irische Heilige an einem Ort. Die Kathedrale von Armagh, dem von ihm gegründeten Erzbischofssitz, ist bis heute die Primatialkirche Irlands.

Irland, 5. Jahrhundert
Das bekannteste Wunder, das dem heiligen Patrick zugeschrieben wird, erzählt von der Vertreibung der Schlangen. Der Überlieferung nach rief er beim Gebet auf dem Croagh Patrick den Namen Christi an. Daraufhin flohen alle Schlangen Irlands ins Meer und verschwanden. Dass es in Irland keine heimischen Schlangen gibt, ist auch biologisch bestätigt. In der christlichen Bildsprache steht die Schlange für den Teufel und die Sünde. So erzählt die Überlieferung zugleich davon, dass Patrick auch diese geistliche Schlange aus Irland vertrieb.

Irland, 5. Jahrhundert
Die Heiligenüberlieferungen schreiben Patrick zu, durch die Kraft des Namens Jesu 33 Tote auferweckt zu haben. Die Zahl entspricht den Jahren des irdischen Lebens Christi und steht nicht zufällig in diesen Berichten. Für die Hinwendung des irischen Volkes, dem die christliche Glaubenstradition fremd war, waren diese Auferweckungswunder entscheidend. Sie waren ein sichtbares Zeichen dafür, dass der Gott, den Patrick verkündete, Macht über den Tod hat und seine Botschaft mehr ist als blosse Worte.

Irland, 432–461
In dreissig Jahren Missionstätigkeit baute Patrick etwa 300 Kirchen und taufte mehr als 120’000 Menschen. Christliche Gemeinden hatte es in Irland schon vor seiner Ankunft gegeben. Als er starb, hatte sein Wirken die Grundlagen einer Kirche gefestigt, die zu einer der bedeutendsten in der europäischen Geschichte werden sollte. Patrick stützte sich weder auf ein Heer noch auf politische Macht. Seine Mittel waren das Gebet, die Verkündigung und das persönliche Zeugnis eines Menschen, der selbst Sklave gewesen war.
In der kirchlichen Überlieferung
Du kannst mit den Worten der Kirche beten.
Du kannst mit deinen eigenen Worten sprechen.
Du kannst auch schweigen.
Der Heilige nimmt nicht Gottes Platz ein.
Er begleitet dich mit seinem Gebet und seiner Fürsprache.
Der Weg führt immer zu Gott.
Mit eigenen Worten
Hier kannst du Jesus sagen, was dich bewegt: ganz frei, mit deinen eigenen Worten und ohne vorgegebenen Text.

Er ist ein Zeuge.
Seine Lorica weist auf Christus hin: vor mir, hinter mir, in mir.
Mit Christus führt sie uns im Heiligen Geist zum Vater.
„Ich habe treu von Gott gesprochen, der mich berufen hat. Denn Gott lügt nicht.“
Aus dem Bekenntnis des heiligen Patrick